[Rezension] Langweilst du dich, Minimia?

Das Warten hat ein Ende: Minimia ist zurück. Zwar ein bisschen älter als in der ersten Geschichte, aber immer noch mit den gleichen Interessen und immer auf der Suche nach einer Antwort auf schwierige Fragen. In diesem Bilderbuch von Rocio Bonilla begeben wir uns gemeinsam mit Minimia auf die Suche nach DEM ultimativen Trick gegen Langeweile.

Inhalt
Minimia ist jetzt ein großes Schulkind. Und als Solches hat sie in der Woche immer viel zu tun – ob Freunde treffen, ihren Hobbys nachgehen oder etwas mit der Familie unternehmen. Nicht verwunderlich also, dass sie Langeweile nicht gewohnt ist. Und ebendiese kommt bei ihr immer am Sonntag auf, wenn sie GAR NICHTS vorhat. Aber was kann sie nur gegen diese Langeweile tun? Auf der Suche nach der Lösung fragt sie die unterschiedlichsten Tiere und reist einmal um die Welt – und noch ein kleines bisschen weiter…

Meine Meinung
Ich finde Minimia einfach toll! Das Bilderbuch Welche Farbe hat ein Kuss hat mich bereits umgehauen, weil einfach alles gestimmt hat. Dass es jetzt ein zweites Bilderbuch mit einem ähnlich grandiosen Thema gibt, freut mich da natürlich umso mehr.

In dieser Geschichte ist Minimia etwas älter und geht bereits „in die Schule der Großen“. In der Freizeit hat sie immer viel zu tun, was vermutlich dem Alltag vieler Kinder heutzutage entspricht. Minimia findet all dies aber eher toll und freut sich auf die vielen Unternehmungen. Im Kontrast zu den anderen Wochentagen steht der Sonntag als Symbol für einen ruhigen, ereignisreichen Tag. Was für Erwachsene ein Segen ist, kann für Kinder allerdings das genaue Gegenteil sein. Und da kommen wir auch schon zu dem Thema dieser Geschichte: Langeweile und was man dagegen tun kann.

Wer kennt es nicht? Ob Einzelkind oder mit Geschwistern, ob Stubenhocker oder ständig aktiv – irgendwann kommt immer mal Langeweile auf. Sei es im Auto auf der zehnstündigen Fahrt in den Urlaub, im Wartezimmer beim Arzt, in den Sommerferien oder eben am Wochenende. Und so sehr wir dieses Gefühl auch alle hassen, es gehört doch dazu. Und ich denke, für Kinder kann es auch sehr wichtig sein, sich mal zu langweilen und nicht nonstop entertaint zu werden.

Allein deswegen können sich mit diesem Bilderbuch eigentlich ALLE Kinder gut identifizieren. Dies wird auch wieder durch die Darstellung von Minimia unterstützt, die eben nicht ‚typisch‘ Mädchen ist, sondern auch Hobbys und Interessen hat, die auch Jungen ansprechen können. So trainiert sie Hockey und spielt mit ihrer Oma Star Wars. Und auch auf den Bildern ist sie in eher neutralen Tönen (weiß, grau, schwarz) dargestellt.

Um der Langeweile zu entfliehen, begibt sie sich auf eine Fantasie-Reise, auf der sie ihre Kuscheltiere und ihr Spielzeug zum Leben erweckt. Sie klettert in unterirdische Tunnel, fliegt auf einem Papierflieger, taucht mit einem großen Wal und reist auf den Mond, wo sie einen Außerirdischen trifft. Und dabei bemerkt sie gar nicht, wie nebenbei auch die Langeweile verschwindet – ganz ohne, dass sie den passenden Tipp bekommt.

Das Buch ist wieder sehr besonders aufgemacht. Der Text variiert in seinen Schriftarten und der Schriftgröße. Neben der Grundschrift, die auch schon für Kinder Ende der ersten Klasse gelesen werden kann, wird Schreibschrift und Schrift mit ausschließlich Großbuchstaben verwendet, die den Text auflockern. Außerdem gibt es Sprechblasen, die direkte Rede wiedergeben und teilweise auch besondere Sprachformen aufweisen: Silbentrennungen, langgezogenes ‚o‘ oder ‚a‘.

Die Illustrationen in dem für Bonilla üblichen Stil sind wieder einmal wunderschön anzusehen und einfach superlustig. Minimia ist einfach zuckersüß mit ihren riesigen Augen, ihren unterschiedlichen Gesichtsausdrücken und Körperhaltungen.
Es gibt wieder einzelne Illustrationen auf weißem Hintergrund und ganze, farbige Szenen. Auf jeder Seite werden mal mehr und mal weniger Farbakzente gesetzt, wobei die Farben gedeckt und dezent sind – was die Bilder allerdings nicht weniger ästhetisch und anschaulich macht. Die Kuscheltiere und Spielzeuge von Minimia werden zu Beginn und zum Ende als das dargestellt, was sie sind: nicht lebendig. Dazwischen werden sie allerdings so dargestellt, wie Minimia sie in ihrer Fantasie sieht: als lebendige, sprechende Lebewesen.

Wieder ein sehr gelungenes Buch von Rocio Bonilla, das ein Thema behandelt, mit dem sich alle Kinder identifizieren können. Die Geschichte wurde durch die Aufmachung von Text und Bildern wieder sehr angereichert und so ergibt das Bilderbuch wieder ein sehr überzeugendes Gesamtpaket, das in keinem Kinderzimmer fehlen sollte. Volle Empfehlung und 5 Sterne.

Erzähl- und Schreibanlässe
Das Bilderbuch bietet sich auch für die Grundschule an, da es das literarische Lernen hervorragend fördert (Vorstellungsbildung, subjektive Eingebundenheit, Perspektivenübernahme). Außerdem kann es Schülererzählungen oder Schreibarbeiten anregen. Da sich die meisten Kinder vermutlich gut mit Minimia und ihrer Situation identifizieren können, kann auch jeder etwas zu dem Thema Langeweile beitragen. So können die Kinder angeregt werden, über eine Situation zu sprechen, in der sie sich gelangweilt haben oder Ideen sammeln, wie man Langeweile loswird. Außerdem bietet sich durch die immer wiederkehrende Struktur der Geschichte an, dass die Kinder eine eigene Szene mit einem Kuscheltier von Minimia aufmalen und aufschreiben. Hier kann das Bild von Minimias Zimmer als Anregung hernagezogen werden. Dort befindet sich beispielsweise noch ein Auto, mit dem sie etwas Spannendes erleben könnte. Und ansonsten können die Kinder ihr Zimmer ja noch um weitere Details bereichern und darauf aufbauend eine Geschichte erzählen.

Buchdetails
Autorin & Illustratorin: Rocio Bonilla – Herausgeber: JUMBO – Erscheinungsjahr: 2019 – Buchlänge: 40 Seiten – Altersempfehlung: ab 3 Jahren – Preis: 15 € – ISBN: 978-3-8337-4075-6

Bildquelle: Amazon.de

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom JUMBO Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ihr erhaltet es u.a. hier.

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