[Rezension] Harry Potter und der Feuerkelch (Schmuckausgabe)

Nach langem Warten war es Anfang Oktober endlich so weit: Der vierte Teil der Harry-Potter-Reihe ist als farbig illustrierte Schmuckausgabe in der deutschsprachigen Fassung beim Carlsen Verlag erschienen. Neben begeisterten Potterheads und Sammlern, werden sich darüber bestimmt auch viele Lehrkräfte freuen. Denn wer liest seinen Schülern nicht gerne aus Harry Potter vor? Aber wie geeignet sind die Illustrationen für Kinder in unteren Schulklassen? Denn wer diesen Teil kennt, weiß, dass es hier bereits düsterer wird als in den drei Bänden davor…

Inhalt
Für Harry beginnt das neue Schuljahr sehr ereignisreich. Gemeinsam mit seinen besten Freunden Ron und Hermine darf er beim Finale der Quidditch-Weltmeisterschaft dabei sein. Doch was als unbeschwerter Ausflug beginnt, endet in Chaos, Angst und Schrecken…
Dass dieses Schuljahr anders wird als die Jahre zuvor wird den drei Freunden auch bald bewusst. Denn Hogwarts beherbergt in diesem Jahr neben den eigenen Schülern auch einige Schüler aus zwei anderen Zaubererschulen: Durmstrang und Beauxbatons. Und damit nicht genug. Hogwarts ist außerdem Gastgeber des Trimagischen Turniers, an dem jeweils ein Vertreter der drei Schulen teilnehmen soll. Doch bei der Auslosung der Kandidaten kommt es dann zur großen Überraschung: Denn auch Harry wird vom Feuerkelch ausgewählt, obwohl er gar nicht alt genug für das Turnier ist. Und noch weiß Harry nicht, dass nicht nur bei den drei Prüfungen des Turniers große Gefahren lauern…

Buchdetails
Autorin: Joanne K. Rowling – Illustrator: Jim Kay – Übersetzer: Klaus Fritz – Herausgeber: Carlsen Verlag – Erscheinungsjahr: 2019 – Buchlänge: 464 Seiten – Altersempfehlung: ab 10 Jahren – Preis: 38 € – ISBN: 978-3-551-55904-3 – Hier kaufen*

Meine Meinung
Inhaltlich ist zu dem Buch ja eigentlich nicht mehr viel zu sagen, da die meisten von euch die Geschichte und die ganze Reihe ja sowieso kennen und lieben. Sollte dies nicht der Fall sein: Es könnten in meiner Bewertung einige SPOILER vorkommen – diese werde ich aber jeweils als solche kennzeichnen.

Die Schmuckausgaben von Harry Potter sind einfach etwas ganz Besonderes und bescheren wahrscheinlich nicht nur mir zauberhafte und bereichernde Lesestunden. Neben der sowieso schon wunderbaren Geschichte von J. K. Rowling werden die Schmuckausgaben durch viele farbige Illustrationen vom sehr talentierten Jim Kay bereichert. Daher sind die Schmuckausgaben auch in der Grundschule zum Vorlesen und insbesondere für leseanimierende Verfahren sehr beliebt.

Mein Fokus liegt daher bei dieser Buchbesprechung vorwiegend darauf, inwiefern dieses Buch mit den Illustrationen auch in der Grundschule und in der Unterstufe vorgelesen und behandelt werden kann. Wer die Geschichte kennt [SPOILER], weiß, dass dieser Band der Übergang zu düsteren Zeiten in der Zaubererwelt ist: Voldemort kehrt mit Hilfe seines treuen Helfers Wurmschwanz zurück an die Macht und in diesem Band werden bereits einige unschuldige Menschen durch den Todesfluch getötet. Nicht gerade leichte Kost – gerade für jüngere Kinder. [SPOILER ENDE]

Dennoch ist dieser Teil der Harry-Potter-Reihe mein Lieblingsbuch und ich sehe darin ein enormes Potenzial für die Lesemotivation von Kindern. Zunächst gibt es einige Bezüge zur Lebenswelt der Kinder – eine Quidditch-Weltmeisterschaft ist vermutlich gerade für die sportbegeisterten Kinder sehr interessant. Nebenbei bietet das Trimagische Turnier mit den drei Prüfungen in mehrfacher Hinsicht Spannung. Die Ungewissheit, um welche Art von magischem Wettkampf es sich jeweils handelt, welche Art von magischen Kreaturen oder Gefahren auf die Champions warten und wer am Ende das Turnier sowie den Pokal gewinnt.

Bereits das farbig illustrierte Cover, das in eher freundlichen und einladenden Farben gehalten ist, macht dieses Buch wieder zu einem wahren Schatz. Wer das Buch bereits kennt, weiß, dass die erste Szene allerdings sehr düster ist. Hier wird ein durchgehend schwarzer Hintergrund mit weißer Schrift gewählt, wodurch die Atmosphäre hervorragend unterstrichen wird. Der Grabstein, das Haus der Riddles, der Gärtner und Harry sind ebenfalls in schwarz gehalten und wirken dadurch eher schemenhaft. Trotz der Dunkelheit ist diese Szene von den Illustrationen her eher harmlos gehalten und kann daher bedenkenlos mit Kindern ab etwa 10 Jahren gelesen und betrachtet werden. Besonders ansprechend ist hier für die Kinder vermutlich die Illustration des Hauses, das wie ein Spukhaus wirkt.

Wer die Illustrationen von Jim Kay kennt, weiß, wie abwechslungsreich diese sind. Mal ist es ’nur‘ ein dezent farbiger Hintergrund mit einem bestimmten Muster, mal ein Detail aus dem jeweiligen Kapitel, ein Rahmen, eine Verzierung oder aber eine kleine Illustration. Oft sind die Bilder farbig, natürlich passend zur Atmosphäre und nie unnatürlich. Manchmal verwendet Jim Kay aber auch nur einen Bleistift, wodurch natürlich seine Zeichenkünste nicht weniger gut zur Geltung kommen.

Am beeindruckendsten sind aber immer die großflächigen Illustrationen, die sich über eine oder zwei Seiten erstrecken und einen allein schon wegen der Liebe zum Detail zum Betrachten einladen. Auch hier gibt es natürlich Variationen – mal sind die Illustrationen in dunkleren Farben, mal eher farbenfroh. Dadurch wird dann auch oft eine bestimmte Atmosphäre kreiert. Mal wird eine Szene veranschaulicht, mal ein Charakter aus dem Buch bildlich dargestellt und in den Fokus gerückt. Und natürlich kommen auch die magischen Kreaturen nie zu kurz, die vereinzelt wie aus einer Seite eines Schulbuchs präsentiert werden.

Gerade die Darstellung der Personen und Kreaturen finde ich immer sehr erfrischend, da sie doch oft von den Darstellungen in den Filmen abweichen und einem so noch einmal eine willkommene Abwechslung bescheren. Hier sei vor allem Victor Krum genannt, der im Buch so ganz anders aussieht als im Film. Gerade das Verhältnis zwischen Abstraktion und Fotorealismus hilft dem Betrachter zum Einen, sich die Figuren besser vorzustellen – lässt ihm aber andererseits auch immer noch Raum für die eigene Imagination. Dies gelingt auch in diesem Buch wieder sehr gut.

Aber wie sieht es jetzt mit den dunkleren Szenen (insbesondere am Ende), den Personen der dunklen Seite und insbesondere den nicht immer ganz harmlosen Kreaturen aus, die in diesem Buch vorkommen? [SPOILER] Allen voran natürlich Lord Voldemort, der, zunächst als ein grausiger Schatten seiner Selbst auftritt und dann zu dem mächtigen Magier, der er einst war, wiederaufersteht. Und wie werden Szenen dargestellt, in denen jemand umgebracht wird?

Im Grunde sind die Illustrationen bis zur Szene auf dem Friedhof wirklich harmlos, oft farbig und für Kinder ebenso geeignet wie für Jugendliche und Erwachsene. Drachen kennt ja sowieso jeder aus anderen Büchern oder Filmen, da werden die Kinder von den unterschiedlichen Darstellungen und Drachenarten eher fasziniert sein. Im zweiten Wettkampf kommen dann aber Unterwasserwesen hinzu, die schon im Film relativ grausig aussehen – und im Buch auf einer einseitigen Illustration nicht minder gruselig dargestellt sind.

Auch die Darstellungen auf dem Friedhof sind meiner Meinung nach nicht unbedingt für jüngere Kinder geeignet – hier sollte jeder selber entscheiden, da ja auch alle Kinder anders sind und anderes gewohnt sind. Voldemort in Babygestalt ist hier gruseliger als im Film und allemal gruseliger als die Illustration des wiederauferstandenen Voldemort – wobei auch dieser grausamer und vampirähnlicher aussieht als in der Filmversion. Auch die Masken der Totesser finde ich gruseliger – aber auch facettenreicher! Mir persönlich gefallen die Illustrationen und die Vorstellungsgabe von Jim Kay auch in diesem Fall echt gut – nur sollte wirklich vorher abgewogen werden, was den Kindern gezeigt wird und was nicht. [SPOILER ENDE]

Insgesamt ist diese illustrierte Schmuckausgabe genau das – ein Schmuckstück, dass sich nicht nur im Bücherregal gut macht, sondern einfach gelesen und angeschaut werden muss! Ich liebe es, die Geschichte durch Jim Kays Illustrationen neu zu entdecken und ich denke, gerade für Kinder sind die Illustrationen ebenfalls eine sehr motivierende Komponente. Auch dieser Teil der Harry-Potter-Reihe eignet sich zum Vorlesen in der Schule – und trotz der vereinzelt düsteren Stellen meiner Meinung nach bereits in der vierten oder fünften Klasse. Für dieses Buch kann man einfach nichts anderes als 5 Sterne vergeben und hätte ich mehr, würde ich sie auch geben!

Besondere Einsatzmöglichkeiten
Wie bereits im Fazit gesagt, eignet sich das Buch sehr gut zum Vorlesen ab der vierten Klasse. Die Thematik, die Figuren, die Kreaturen und die Spannung haben für Kinder eine hohe motivierende Wirkung – und auch Kinder, die Harry Potter noch nicht kennen, können durch die Erzählweise von J. K. Rowling gut in die Geschichte und die magische Welt hineinfinden. Das Buch eignet sich daher natürlich vorwiegend für den Literaturunterricht. Hier bieten sich vielfältige Schreibanlässe an. Zunächst bei der Quidditch-Weltmeisterschaft und den Vorfällen mit den Totessern. Hier könnten die Kinder einen Zeitungsbericht für den Tagespropheten schreiben.

Auch zum Thema Personen- oder Kreaturenbeschreibung eignet sich dieses Buch hervorragend. Da einige Personen bildlich dargestellt werden, können die Kinder diese schriftlich beschreiben. Aber auch die Beschreibung von magischen Kreaturen wie den Drachen wäre hier möglich.

Auch die drei Wettkämpfe laden zum Spekulieren und somit zum Sprechen oder Schreiben ein. Die Kinder können Vermutungen anstellen, um welche Art von Wettkampf es sich handelt. Außerdem können sie Möglichkeiten finden, wie man einen bestimmten Wettkampf gewinnen kann. Ferner könnten sie sich eigene Kreaturen ausdenken, die in einem Wettkampf vorkommen, diese malen und beschreiben.

Ihr seht – es gibt so viele Möglichkeiten, diese Geschichte und die Illustrationen sinnvoll in den Unterricht miteinzubeziehen. Natürlich kann gerade das Trimagische Turnier auch als Ausgangspunkt für ein Projekt zu Harry Potter genutzt werden – etwa mit Wettkämpfen in unterschiedlichen Fächern, die die Kinder zu eigener Kreativität und zur Entwicklung von Problemlösestrategien auffordern.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Carlsen Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen lieben Dank dafür – es ist mir eine Freude, es hier vorstellen zu dürfen!

Bildquelle: Amazon

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