[Rezension] Der Bär und das Wörterglitzern

Wenn ihr wissen wollt, woher ich die Inspiration für meinen Blognamen genommen habe, dann lest unbedingt weiter. Denn heute stelle ich euch ein wunderbar poetisches Bilderbuch von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo vor, das durch seine Tiefgründigkeit, die poetische Sprache, die kreativen Wortneuschöpfungen und natürlich die atemberaubenden Illustrationen überzeugt.

Ganz am Rand meines Betts sind einige Fitzelchen Träume, so klein, dass sie sich zwischen den Staubmäusen verstecken. Ich hebe sie auf, puste und sehe zu, wie sie davonschweben. Morgen werde ich traumschweben.

Inhalt
In diesem Bilderbuch durchlebt der große blaue Bär die unterschiedlichsten Situationen und Gefühle. Situationen, die jeder kennt: Am Strand Sand durch die Finger rieseln zu lassen oder im Winter einen Schneemann zu bauen. Positive Situationen wie Träumen oder Bücher lesen, aber auch negative Emotionen wie Traurigkeit und Langeweile. Doch all dies gehört nun einmal zum Leben dazu – und gemeinsam mit einem guten Freund lässt sich alles viel leichter ertragen. Denn am nächsten Tag ist es meist schon besser – oder zumindest anders.

Buchdetails
Autorin: Agnès de Lestrade – Illustratorin: Valeria Docampo – Übersetzerin: Anna Taube – Herausgeber: Mixtvision – Erscheinungsjahr: 2015 – Buchlänge: 40 Seiten – Altersempfehlung: ab 6 Jahren – Preis: 14,90 € – ISBN: 978-3-95854-026-2 – Hier kaufen*

Meine Meinung
Dieses Bilderbuch und ich haben eine interessante Beziehung. Ich habe es damals zu Beginn meines Studiums in der Einführungsvorlesung in Literaturwissenschaft kennengelernt. Wir mussten es damals auf das Potenzial für das literarische Lernen hin untersuchen und ich muss zugeben, ich hatte damit einige Schwierigkeiten.

Auch heute habe ich vereinzelt Probleme damit, die Bedeutung dieses Buches gänzlich zu fassen. Das könnte damit zusammenhängen, dass es mal keine Geschichte erzählt, sondern sehr poetisch (und dadurch natürlich vielseitig deutbar) ist. Es geht in diesem Buch um viele unterschiedliche Situationen und Emotionen, die der Ich-Erzähler – der auf der Bildebene als großer blauer Bär dargestellt wird – er- und durchlebt.

Jeder Situation, jedem Gefühl werden je zwei Doppelseiten gewidmet. Auf der ersten Doppelseite wird das Gefühl, die Situation, die Aktivität auf wunderbar poetische Weise beschrieben. Der Abschnitt beginnt jeweils ähnlich mit „Ganz am Rand“. Hier werden jeweils zwei Wörter hervorgehoben, aus denen dann auf der nächsten Doppelseite ein neues Wort geschaffen wird – „Morgen werde ich“. Dieses soll zeigen, wie der Erzähler die derzeitige Situation oder Emotion nutzt, um daraus etwas Neues (und Besseres?) zu schaffen.

Wie bereits erwähnt, eignet sich dieses Bilderbuch wunderbar für das literarische Lernen in der Grundschule – für Kinder unter 6 Jahren ist es eher nicht geeignet, da es schwer zu deuten ist. Durch die Geschichte haben Kinder die Möglichkeit, mit einer unbekannten und ungewöhnlichen Sprache in Kontakt zu kommen. Sie können über eigene und fremde Gefühle nachdenken. Sie fühlen sich verstanden – denn wer kennt keine Langeweile, keine tristen Tage oder Situationen, in denen alles neu und unbekannt ist?!

Die Illustrationen von Valeria Docampo sind auch in diesem Bilderbuch (übrigens ihr persönliches Lieblingsbuch!) wieder atemberaubend schön. Sie arbeitet zu Beginn mit dezenten, zurückhaltenden Farben, die lediglich durch den blauen Bären Farbakzente erhalten. Zum Ende hin wird die Stimmung anders, die Farbwahl ändert sich – hier spielen Gelb- und Orangetöne zusammen und kreieren eine fröhlichere, gelöstere Grundstimmung. Die Interpretation der Situationen und Gefühle ist auch auf den Bildern sehr poetisch und besonders – und dadurch wird optimal das Verständnis für den Text unterstützt.

Ich mochte dieses Buch nicht immer – es brauchte einfach Zeit, bis die Wirkung bei mir angekommen ist. Aber jetzt liebe ich das Bilderbuch genauso wie die anderen Bücher von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo. Ich kann euch das Buch daher sehr empfehlen!

Besondere Einsatzmöglichkeiten
Dieses Bilderbuch eignet sich aufgrund des Potenzials für das literarische Lernen sehr gut für die Grundschule. Ich denke, Kinder werden nicht so große Schwierigkeiten mit dem Buch haben, da sie noch sehr fantasievoll sind und daher bei der Deutung des Textes und der Bilder noch nicht so sehr darauf bedacht sind, es richtig zu deuten wie manch Erwachsener.

Das Buch eignet sich aufgrund der sich immer wiederholenden Struktur hervorragend als Schreibanlass nach diesem literarischen Muster. Die Kinder können eine eigene Emotion oder Situation auf poetische Weise beschreiben und aus zwei Wörtern dann eine Wortneuschöpfung kreieren. Hier würde ich als Sozialform eine Partner- oder Gruppenarbeit empfehlen, da eine derartige Sprache für viele Kinder vermutlich nicht so einfach ist. Alternativ könnte auf die poetische Sprache auch verzichtet werden – das kommt sehr auf die Kinder an.

Das Buch wurde mir vom Mixtvision Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen lieben Dank dafür!

Bildquelle: Amazon

*Affiliate-Link: Wenn du das Produkt über diesen Link käuflich erwirbst, erhalte ich dafür eine geringe Provision. Für dich entstehen dadurch keinerlei Mehrkosten. Vielen Dank für deine Unterstützung!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.