[Rezension] Das NEINhorn

Nach seinem erfolgreichen Bilderbuch Der Ostermann ist nun ein neues Buch für Kinder aus der Feder von Marc-Uwe Kling erschienen. Ob es mit seinem ersten Buch mithalten kann und ebenso durch einen in Reimform gehaltenen, humorvollen Text überzeugen kann? Der Titel verspricht auf jeden Fall schon einmal viel. Wenn ihr mehr erfahren wollt, lest unbedingt weiter…

Inhalt

Eines Tages wird im Herzwald ein kleines Einhorn geboren. Äußerlich passt es perfekt in seine Umgebung, aber dennoch fühlt es sich oft, als wäre es am falschen Ort. Aus diesem Grund spricht es nicht viel und aus seinem Maul kommt daher immer nur ein Wort – das einzig wahre Wort: ‚Nein.‘. Aus diesem Grund wird es schon bald nur noch NEINhorn genannt. Bald haben die anderen Einhörner aber genug von seinem Benehmen. Da spricht das NEINhorn endlich aus, was ihn alles so nervt und macht ab da nur noch das, was ihm gefällt – auch wenn es ganz und gar untypisch für Einhörner ist. Und dabei trifft er ein paar andere Tiere – und sogar eine waschechte Prinzessin. Und alle haben eins gemeinsam: Sie sind anders und tanzen aus der Reihe.

Buchdetails

Autor: Marc-Uwe Kling – Illustratorin: Astrid Henn – Herausgeber: Carlsen Verlag – Erscheinungsjahr: 2019 – Buchlänge: 48 Seiten – Altersempfehlung: ab 3 Jahren – Preis: 13 € – ISBN: 978-3551518415 – Hier kaufen

Meine Meinung

Bereits das Cover dieses Bilderbuches hat mich sehr angesprochen. Es ist farblich vorwiegend in einem dunklen Blau gehalten und im Zentrum sieht man – in einem bunten Blumen- und Pflanzenmeer ein kleines Einhorn. Eigentlich mag ich keine Einhörner, aber bei diesem Einhorn war direkt klar, dass es anders ist. Es versprüht keinen perfekten Einhornzauber, sondern schaut ziemlich grimmig drein. Da ist man natürlich (in Verbindung mit dem Titel) direkt gespannt, was es mit diesem kleinen Einhorn auf sich hat.

Zu Beginn des Buches findet sich eine Karte des Fantasielandes, in dem die Geschichte spielt: Das Land der Träume. Diese ist in pastelligen, blassen Farben gehalten und dadurch sehr ansprechend. Man sieht auf der Karte unterschiedliche märchenhafte Orte, etwa den Herzwald (der tatsächlich eine herzähnliche Form hat), den Seifenblasen-See und einen geheimnisvollen Turm. Außerhalb dieses Landes gibt es nur noch das ‚Nirgends‘.

Die Geschichte beginnt im Herzwald, wo alles idyllisch ist. Der Text ist in Reimform gehalten, weil Einhörner gerne reimen. Die Bilder unterstreichen perfekt, wie man sich einen Einhornwald vorstellt – viele Rosetöne, Regenbögen, Herzchen, Blumen und so weiter. Sobald das kleine NEINhorn geboren ist, ändert sich der Stil etwas. Nun wird mehr mit comicartigen Elementen anstelle von ganzflächigen Illustrationen gearbeitet. Hier kommt insbesondere die Sprechblase mit einem großen roten ‚Nein‘ sehr häufig vor.

Die Reime selbst habe ich dieses Mal als etwas störend empfunden. Oft musste ich die Paarreime mehrfach lesen, um es im richtigen Rhythmus vorzulesen und den Reim richtig rüberzubringen. Die Reime sind zwar sehr gelungen, da sie inhaltlich die Geschichte rüberbringen, aber vereinzelt gibt es Textpassagen, die doch etwas erzwungen wirken. Sehr gelungen finde ich aber, wie der Autor mit nicht so ganz passenden Reimen umgeht, etwa „alles ist mega, […] auch keine Jäga.“ Hier passt natürlich reimtechnisch eigentlich das Wort ‚Jäga‘ besser, aber das gibt es ja nicht. Also ist es rot durchgestrichen und darunter ist in Handschrift geschrieben ‚Jäger‘.

Nachdem das NEINhorn den anderen Einhörnern seine Meinung gesagt hat und aus deren perfekter, reimender Welt ausbricht, ist es auch mit den Reimen vorbei. Dies habe ich aus genannten Gründen auch nicht bedauert und ich finde es zudem eine sehr gelungene Idee, da so auch stilistisch der Wendepunkt der Geschichte markiert ist.

Diesen Teil finde ich dann auch inhaltlich sehr gelungen, da das NEINhorn hier auf andere Tiere trifft, die ähnlich herausstechen wie er. Er trifft einen WASbären, der nie etwas versteht und daher immer ‚Was?‘ fragt. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach Nirgends. Auf dem Weg treffen sie noch einen NahUND und retten eine KönigsDOCHter aus einem Turm. Und bei all den Diskussionen und der Bockigkeit merken sie gar nicht, dass sie endlich Freunde gefunden haben.

Die Idee der Geschichte finde ich sehr gelungen. Es ist eine Geschichte, mit der man so gar nicht rechnet und die einem zeigt, wie es sich anfühlen kann, anders zu sein und irgendwo nicht reinzupassen. Die Geschichte macht aber auch Hoffnung, denn sie zeigt, dass es immer auch andere gibt, die nicht so ganz dazugehören und anders sind. Von der Aussage zum Thema Anderssein finde ich die Moral allerdings etwas zweifelhaft. Denn es sagt aus, dass eigentlich der Großteil der Tiere/Menschen ’normal‘ ist und nur ein kleiner Teil aus der Reihe tanzt. Und dieser Teil kann dann auch nur gemeinsam sein.

Vor dem Hintergrund dieser Moral könnte es sich daher anbieten, über das Thema Anderssein zu sprechen und zu reflektieren, ob wirklich nur einzelne Menschen anders sind oder nicht eigentlich jeder Mensch einzigartig ist – mit eigenen Ticks und Ansichten. Auch im Hinblick auf die Wortneuschöpfungen der Tiernamen lässt sich super mit dem Buch arbeiten. Die Kinder könnten sich eigene Tiere ausdenken, die einen bestimmten Tick haben und diese neu benennen. Hinten im Buch finden sich dazu viele Inspirationen, die auch als Anhaltspunkt verwendet werden könnten. Ausgehend davon könnten die Kinder eine eigene Geschichte schreiben.

Die Illustrationen von Astrid Henn finde ich wieder sehr gelungen und sehr passend zur humorvollen, nicht ganz ernstzunehmenden Geschichte. Die Tiere sind zwar niedlich, aber auch sehr lustig und eher abstrakt dargestellt. Sehr gefallen mir die vielen großformatigen Bilder mit den detailreichen Hintergründen. Auch die vielen comicartigen Elemente bestehend aus kleinen Bildszenen und vielen Sprechblasen sind sehr ansprechend und abwechslungsreich. Eine Illustration ist sogar so groß, dass man das Buch einmal drehen muss – so etwas gefällt mir immer sehr!

Insgesamt gefällt mir das Bilderbuch von Marc-Uwe Kling wieder sehr gut. Sowohl die Geschichte als auch die Thematik sind sehr ansprechend, wichtig und doch überraschend anders. Die Illustrationen sind wie immer sehr passend und unterstreichen den Charakter der Buches. Dennoch muss ich einen Punkt abziehen, da mich ein paar Details gestört haben. Ansonsten kann ich das Buch aber voll und ganz empfehlen, gerade für die Arbeit in der Grundschule.

4 Sterne

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.