[Rezension und Unterrichtsmaterial] Die Regeln des Sommers

Heute stelle ich euch wieder ein ganz besonderes Bilderbuch mit viel Potenzial vor. Die Regeln des Sommers erzählt die Geschichte von zwei Jungen, die den Sommer miteinander verbringen. Doch anders als in anderen Kinderbüchern, wo alles unbefangen und die Möglichkeiten grenzenlos sind, gibt es hier klare Regeln. Ein Bilderbuch, das weit über den Text / Regelkatalog hinaus erzählt und in eine fantastische Welt entführt, die zum Entdecken und Erzählen einlädt. Mit Unterrichtsmaterial, das sehr gut nach den Sommerferien eingesetzt werden kann.

Inhalt

Zwei Jungen, ein älterer und ein jüngerer, verbringen den Sommer gemeinsam und träumen sich in eine Fantasiewelt, in der es die unterschiedlichsten Wesen und Naturphänomene gibt. Doch in dieser fantastischen Welt gelten bestimmte Regeln – und wer diese bricht, muss mit Konsequenzen rechnen. Doch dann kommt es zu einem Vorfall, der das Fass zum Überlaufen bringt und der kleine Junge wird weggebracht aus der farbenprächtigen Welt in die düstere, graue Verdammnis. Ob sein Freund ihn wieder befreit?

Buchdetails

Autor & Illustrator: Shaun Tan – Übersetzerin: Eike Schönfeld . Herausgeber: Aladin Verlag – Erscheinungsjahr: 2014 – Buchlänge: 48 Seiten – Altersempfehlung: ab 6 Jahren – Preis: 19,90 € – ISBN: 978-3848900107 – Hier kaufen

Meine Meinung

Ich bin auf dieses Bilderbuch bzw. vielmehr auf die Bilderbuch-App zum Buch während einer Hausarbeit in Literaturwissenschaften gestoßen. Mich hat die Geschichte inhaltlich sehr interessiert, sodass ich sie euch auf jeden Fall irgendwann einmal vorstellen wollte. Und nun – passend zum Sommer, in dem es dieses Jahr leider auch so einige Regeln gibt – ist es soweit.

Ich muss zugeben, dass ich beim ersten Durchlesen dieses Bilderbuches erst einmal etwas ratlos war und noch nicht ganz verstanden habe, was das Buch mir oder besser den Kindern vermitteln will. Wenn man nur den Text liest, ohne sich die Bilder intensiv anzuschauen, dann ist es im Grunde mehr ein Regelkatalog mit einer Auflistung von – mal mehr und mal weniger sinnvollen – Regeln. Eingeleitet wird die Geschichte mit diesem Satz: „Also das habe ich im letzten Sommer gelernt:“ und dann geht es mit den einzelnen Regeln des Sommers los, die jeweils nacheinander in je einem Satz vorgestellt werden: Keine rote Socke auf der Wäscheleine lassen, kein Glas fallen lassen, keinem Fremden den Schlüssel geben.

Die Seiten sind so aufgebaut, dass sich auf der linken Seite eine beispielsweise vergilbt wirkende Seite mit Farbspritzern befindet, auf der nur ein Satz – die Regel – steht. Daneben ist jeweils eine ganzseitige Illustration, die die Regel bzw. die Folgen des Regelbruchs in der Fantasiewelt darstellen. Das Buch beginnt allerdings bereits viel früher als mit dem Einleitungssatz, nämlich auf dem Vorsatz anhand der dort dargestellten doppelseitigen Illustration, die eine triste, graue Stadt im Sommer und die beiden Jungen zeigt. Auch die ersten beiden Seiten des Buches stellen eine doppelseitige Illustration dar, hier sieht man die ‚Reise‘ in die Fantasiewelt.

In der Fantasiewelt erleben die beiden Jungen so einiges. Dies wird jeweils anhand der von den Erlebnissen abgeleiteten Regel und einer passenden Illustration dargestellt. Sie sind auf einer Party, fangen mit Schmetterlingsnetzten Kometen, Sternschnuppen oder ähnliches, nehmen an einem Umzug teil, spielen Tischtennis mit einem Roboter und geraten schließlich in eine Prügelei. Der ältere Junge wirkt auf den ersten Bildern wie ein Freund, dann eher wie ein Beschützer und später wie ein Erzieher, der mit den Regelbrüchen des Jüngeren nicht zufrieden ist. Am Ende rettet er den Jüngeren aber doch aus seiner Isolation und gemeinsam verleben sie die letzten Sommertage.

Den wichtigsten Teil des Bilderbuches machen definitiv die Illustrationen von Shaun Tan aus. Sie beginnen nicht nur das Erzählen, lange bevor es die ersten geschriebenen Sätze gibt, sondern erzählen auch weit über den Text hinaus. Wären die Bilder nicht, würde man sich Alltagssituationen und deren Begleiterscheinungen vorstellen – lässt man eine Socke hängen, dann ist dies meist nur fatal, wenn es regnet oder wenn man sie am nächsten Tag tragen möchte. Durch die Bilder werden wir erst in die fantastische Welt und deren Besonderheiten mitgenommen. Sie laden zum Entdecken und Erzählen ein, vermitteln uns die Gefühle und Stimmungen der Charaktere und schaffen eine gewisse Atmosphäre durch die Darstellung der Gegenden, die Farbwahl und die Handlungen bzw. Geschehnisse.

Dieses Buch bietet eine interessante Herangehensweise an ein Thema, mit welchem sich die meisten Kinder identifizieren können: Regeln. Nicht nur in der Schule gelten diese, sondern eben auch in den Sommerferien – und manchmal auch unter Freunden. Es bietet zudem ein Bild von Freundschaft, welches nicht nur durch Harmonie und gleiche Ansichten geprägt ist, sondern eben eine Freundschaft mit ihren Höhen und Tiefen. Gleichzeitig lädt das Buch Kinder dazu ein, selber kreativ zu sein und ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen – genau so, wie es die beiden Jungen im Buch auch machen. Für die Grundschule eignet sich das Buch meiner Meinung nach besonders gut nach den Sommerferien – um über die eigenen Erlebnisse des Sommers zu sprechen und Regeln, die in der Klasse wichtig sind, noch einmal zu wiederholen und zu ergänzen.

5 Sterne

Unterrichtsmaterial

Das Bilderbuch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Aladin Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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