[Rezension] Mina entdeckt eine neue Welt

In den Kindergarten zu kommen, später dann in die Grundschule, die weiterführende Schule, an die Uni oder bei einem neuen Job – irgendwo neu zu sein ist immer erstmal eine merkwürdige Situation. So ist es auch in dem Bilderbuch Mina entdeckt eine neue Welt aus dem Carlsen Verlag, in dem Mina in den Kindergarten kommt. Auf eine einfühlsame und besondere Art werden ihre anfänglichen Ängste und Zurückhaltung, ihre Eingewöhnung und ihre Verarbeitung der Erlebnisse geschildert. Bis sie eines Tages endlich ganz angekommen ist.

Inhalt

Mina kommt in den Kindergarten – doch Lust hat sie keine. In der Nacht davor kann sie nicht schlafen, denn sie malt sich die unterschiedlichsten Szenarien aus. Am ersten Kindergartentag ist sie zunächst wie im Tunnel, alles ist neu und sie versteht kein Wort – denn Deutsch ist nicht ihre Erstsprache. Nach dem Kindergarten hat sie viel zu erzählen – doch so richtig als Teil der Gruppe fühlt sie sich noch lange nicht. Tagsüber spielt sie mit ihrer neuen Freundin Alva und Teddy, nachts verarbeitet sie ihre Erlebnisse. Und Stück für Stück fühlt sie sich immer wohler im Kindergarten.

Buchdetails

Autorin: Sandra Niebuhr-Siebert – Illustrator: Lars Baus – Herausgeber: Carlsen – Erscheinungsjahr: 2020 – Buchlänge: 48 Seiten – Altersempfehlung: ab 3 Jahren – Preis: 14 € – ISBN: 978-3551512703 – Hier kaufen

Meine Meinung

Dieses Bilderbuch wurde mir netterweise vom Carlsen Verlag zugeschickt und das Cover hat mich einfach direkt angesprochen. So detailliert und farbenprächtig und gleichzeitig doch in eher dezenten, zurückhaltenden Farben macht es direkt neugierig auf die Welt, die Mina in dieser Geschichte entdeckt. Gerade mit Kindern bietet dieses Cover bereits viele Sprech- und Erzählanlässe, sowohl durch den Titel als auch die Illustration.

In diesem Bilderbuch geht es um ein Mädchen, welches in den Kindergarten kommt – und das unter erschwerten Bedingungen, denn sie hat eine andere Erstsprache und versteht daher nicht sofort alles, was die Kindergärtnerin sagt. Die Gefühle, die Alva gerade zu Beginn begleiten, können vermutlich die meisten Kinder (und sogar Erwachsene) nachvollziehen. An einen neuen Ort zu kommen mit ganz fremden Menschen ist immer erst sehr ungewohnt – zuerst ist man wie in einem Tunnel, alles wirkt grau und unbekannt, man möchte sich auf keinen Fall einen Fehltritt leisten.

Doch mit der Zeit lernt Mina ein Mädchen kennen, mit dem sie spielt. Auch das Essen im Kindergarten schmeckt ihr sehr gut. Sie versteht immer besser Deutsch und kann es bald auch schon ganz gut Sprechen. Dafür übt sie am Wochenende immer neue Wörter. Der Verlauf des Bilderbuches macht Kindern – ob deutschsprachig oder mit einer anderen Erstsprache – Mut, denn nach einiger Zeit ist es gar nicht mehr so schlimm im Kindergarten – nein, sogar sehr schön. Und sobald man nicht mehr neu ist, fühlt man sich auch gar nicht mehr fremd, sondern als Teil der Gruppe.

Die Geschichte stellt einen ganz tollen Kindergarten vor, in dem die Kinder sehr vielfältig sind und diese Vielfalt von der Erzieherin als etwas wunderbares gefördert wird. So liest sie den Kindern auch Bücher aus anderen Ländern vor, spielt Hörspiele auf den Muttersprachen der Kinder ab und zeigt so, dass jedes Kind und seine Herkunft etwas Besonderes ist. Auch die Malwand, die die Kinder bemalen können, damit sich jeder im Gruppenraum wohlfühlt, finde ich eine ganz wunderbare Idee. Das Buch bietet also auch ganz tolle Inspirationen für Erzieher*innen.

Die Illustrationen sind ebenfalls sehr gelungen und etwas ganz Besonderes. Durch die Farbwahl wird eine gewisse Atmosphäre dargestellt – so etwa am Anfang, als für Mina der fremde Gruppenraum komplett grau ist. Mit der Zeit wird er aber Stück für Stück farbiger, was zeigt, wie sie sich langsam eingewöhnt und wohlfühlt. Auch auf den Bildern wird die Vielfalt der Kinder wunderbar dargestellt. Vereinzelt findet sich auch weiße Zeichnungen, wie die einer Hexe, als die Kinder eine Geschichte über die Hexe Babajaga vorgelesen bekommen.

Auch die bildliche Darstellung ihrer Träume, in denen sie die Erlebnisse verarbeitet, ist außergewöhnlich. Zu Beginn sieht man einen Fischschwarm und einen einzelnen Fisch (Mina), der nicht dazugehört. Dann sieht man den Mina-Fisch mit einem anderen Fisch (Alva) und schon bald darauf schwimmt Mina im Schwarm mit. Bis dahin dominiert die Farbe blau, die aber Stück für Stück heller wird. Als Mina sich dann endlich richtig wohl und frei im Kindergarten fühlt, sieht man sie auf einem Fisch sitzend inmitten eines farbenprächtigen Blütenmeers – und der Hintergrund ist gelb.

Ein wunderbares Bilderbuch, das zunächst auf die Gefühle der Kinder vor dem ersten Kindergartentag und während der Eingewöhnungsphase eingeht und so ein hohes Potenzial hat, dass Kinder sich mit Mina identifizieren. Dennoch macht es Mut, denn es zeigt, dass der Kindergarten ein schöner Ort voller Möglichkeiten ist, und das nach einiger Zeit gar nichts mehr so fremd ist, wie zu Beginn. Die Bilder sind einfach wunderschön und haben viel Potenzial. Sehr zu empfehlen!

5 Sterne

Das Bilderbuch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Carlsen Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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