[Rezension] Der Pupsprinz

Inhalt
Endlich ist es soweit! Der kleine Prinz Emil SuperstarkundBlitzeschnell hat Geburtstag. Und er kann natürlich an nichts anderes als die Geschenke denken – denn dieses Jahr hat er einen ganz besonderen Wunsch. Aber erst soll er sein – sehr reichhaltiges – Geburtstagsfrühstück zu sich nehmen. Danach ist sein Bauch so aufgebläht, dass ihm nicht nur ein Rülps entweicht, sondern auch einige stinkige Pupse. Als es dann an die Geschenke geht, geht das Gepupse weiter – mal aus Freude oder Überraschung, am Ende nur noch aus Ungeduld und dann platzt ihm endgültig der Kragen. Niemand hat seinen Wunsch erfüllt. Kann sein Geburtstag jetzt noch gerettet werden, oder wird er in einer grünen Stinkewolke untergehen?

‚Pfüüüpf!!‘ In Prinz Emils Bauch blubbert es gewaltig. Der Zauberer Simsaladings verdreht die Augen. Fräulein Clothilde Putz von Anfall denkt darüber nach, in Ohnmacht zu sinken.

Meine Meinung
Bei Der Pupsprinz handelt es sich, nach Die Schluckaufprinzessin, um das zweite Bilderbuch von Nina Dulleck, das in dem etwas ungewöhnlichen Königsschloss spielt und sich mit einem körperlichen Phänomen befasst – wie der Titel schon sehr gut verrät. Und auch das Cover ist sehr aussagekräftig: Ganz in grün gehalten, mit etwas helleren grünen Stinkewölkchen und einem Prinzen, der sich die Nase zuhält.

In diesem Bilderbuch geht es um den Bruder von Prinzessin Rosa Klitzeklein, den Prinzen Emil SuperstarkundBlitzeschnell. Den Namen finde ich ja an sich ganz lustig, allerdings kann ich nicht so ganz verstehen, warum er komplett zusammen geschrieben ist und dann auch noch mitten im Wort Großbuchstaben verwendet werden. Auch beim Namen des Ritters FreivonRost wird diese ungewöhnliche Schreibweise verwendet. Aber eigentlich passt es dann auch wieder zum Gesamtbild: Das Buch, die Geschichte und die Protagonisten sind nämlich alles andere als gewöhnlich.

Natürlich kommen wieder einige bekannte Protagonisten in der Geschichte vor, etwa das Königspaar, die Köchin Brezelchen und die Kammerzofe Löckchen. Das finde ich richtig toll, denn für Kinder ist es oft noch einmal schöner, wenn sie bereits einige der Charaktere kennen. Auch die Protagonistin des vorherigen Bilderbuchs kommt in dieser Geschichte vor: Prinzessin Rosa Klitzeklein. Das wird vermutlich gerade das Herz der Mädchen höher schlagen lassen. Daneben gibt es aber auch einige neue Gesichter, die alle wieder sehr ausgefallene Namen und noch ausgefallenere Geburtstagsgeschenke haben.

Die Geschichte beginnt bereits auf dem Titelblatt. Hier ist eine Szene vom Vorabend zu sehen, als der Prinz die Eltern an seinen Geburtstag und seinen Wunsch erwähnt. Hier scheint das Königspaar sehr genervt, nachdem sie sich bereits ‚365 1/2‘ mal den Wunsch des Prinzen anhören mussten. Da könnte man meinen, sie hätten ihn sich auch gemerkt und erfüllt? Tja, leider Fehlanzeige.

Nachdem der Prinz aufgestanden ist, sich fertig gemacht hat und das für die restlichen Schlossbewohner verhängnisvolle Festmahl zu sich genommen hat, wird relativ bald deutlich, dass der Wunsch des Prinzen von keinem Schenkenden erfüllt wurde. Er bekommt im Laufe der Geschichte viele Geschenke, mal richtig ausgefallene und coole Sachen, mal Sachen, über die sich vermutlich die wenigsten gefreut hätten. Bei seinem nachfolgenden Wutanfall sind seine Eltern wieder einmal die ersten, die sich ratlos hinter dem Ohr kratzen und auch die anderen Erwachsenen sind ratlos. Die Einzige, die vernünftig reagiert, ist die Schwester des Prinzen. Sie öffnet die Fenster und lässt den Mief heraus – was wiederum einen wichtigen Beitrag zum Happy End leistet.

Thematisch handelt es sich wieder um ein Phänomen, das in der Lebenswelt von Kindern eine wichtige Rolle spielt: Pupsen. Gerade im Alter der Zielgruppe ist Pupsen noch etwas ganz Normales, es hört sich lustig an, riecht eigenartig und man kann die Erwachsenen damit entweder zum Lachen, zum Erröten oder zum Nach-Luft-Schnappen bringen. Herrlich! Daher ist es gut, dass in dem Buch nicht pädagogisiert wird. Keiner der Erwachsenen sagt zum Prinzen, dass er mit dem Pupsen aufhören soll oder es zumindest nicht vor anderen tun soll. Die Überspitzung der Situation kann dazu beitragen, dass Kinder anfangen, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden.

Die Illustrationen sind sehr humorvoll, kreativ und detailreich. Sie erinnern wieder vereinzelt an Comics, mit vielen kleinen Szenenfolgen auf einer Seite, Sprechblasen und Geräuschen, die in einer anderen Schriftart und farbig auf die Seiten integriert sind. Vereinzelt fand ich die Leserichtung allerdings nicht ganz eindeutig – da musste ich mich erst einmal zurechtfinden. Die eigentlich mit den Augen nicht sichtbaren Gerüche werden durch grüne Wölkchen dargestellt – die im Laufe der Geschichte so stark zunehmen, bis kaum noch etwas zu sehen ist. Farblich sind die Illustrationen ansonsten wieder in eher pastelligen Farben gehalten, wobei bei diesem Bilderbuch die Farbwahl so gewählt ist, dass Mädchen und Jungen gleichermaßen angesprochen werden. Viele Farben sind vertreten, nur auf Rosa und andere eher mädchentypische Farben wird weitestgehend verzichtet.

Wer denkt, das Bilderbuch Die Schluckaufprinzessin sei nur für Mädchen und der Nachfolgeband Der Pupsprinz sei nur für Jungen, der irrt. Beide Bücher sind für alle Geschlechter gleichermaßen zu empfehlen – auch wenn im ersten Buch die Farbe Rosa wesentlich öfter vorkommt als im zweiten Buch. Die beiden Geschichten beinhalten Themen aus dem Alltag von Kindern, verpackt in einem märchenhaften Setting mit sehr ungewöhnlichen Charakteren. Die Comicelemente und die lustigen Illustrationen werten das Vorleseerlebnis noch auf. Wieder ein sehr gelungenes Bilderbuch, dass sowohl meiner Tochter als auch mir beim Vorlesen immer wieder Freude bereitet. Daher: 5 Sterne.

Besondere Einsatzmöglichkeiten
Das Bilderbuch kann auch im Literaturunterricht der Grundschule vorgelesen werden, da es aufgrund der Comicelemente, des Protagonisten und des lustigen Themas gerade für Jungen einen hohen motivationalen Wert hat. Auch hier gibt es Möglichkeiten für Erzähl- und Schreibanlässe. Die Kinder können raten, was der Prinz sich zum Geburtstag wünscht und einen Brief an die Eltern schreiben, in dem er diesen Wunsch schildert. Außerdem können sie ein Haustier aussuchen, dass zum Wunsch des Prinzen passt. Hier könnten sie ein Bild des Prinzen mit seinem neuen Haustier malen.

Der Prinz bekommt viele ungewöhnliche Geschenke von den Schlossbewohnern. Die Kinder könnten ausgehend von den Beispielen einen eigenen Schlossbewohner mit lustigem Namen erfinden und eine Seite dazu schreiben, wie er oder sie den Prinzen beschenkt, was er oder sie schenkt und wie der Prinz darauf reagiert.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar von der Autorin / Illustratorin Nina Dulleck zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ihr erhaltet es u.a. hier.

Buchdetails
Autorin & Illustratorin: Nina Dulleck – Herausgeber: FISCHER Sauerländer – Erscheinungsjahr: Buchlänge: Altersempfehlung: Preis: ISBN:

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