[Rezension] Was macht man mit …?

Kobi Yamada und Mae Besom haben mittlerweise drei besondere Bilderbücher herausgebracht, die sich alle mit den wichtigen Fragen des Lebens beschäftigen und versuchen, diese in einer abenteuerlichen und philosophisch angehauchten Bilderbuchgeschichte kindgerecht zu vermitteln. Ich durfte die drei Bücher unter die Lupe nehmen und stelle sie euch nun hier vor. Und wer Lust hat, eines der Bilderbücher zu gewinnen, sollte mal auf meinem Instagram-Account vorbeischauen. Dort darf ich je ein Exemplar der drei Bücher verlosen.

Was macht man mit einer Idee?

Inhalt
In dieser Geschichte geht es um ein Kind, das eine Idee hat. Es ist unsicher und findet die Idee zu Beginn gar nicht toll. Aber alle Versuche, die Idee loszuwerden, scheitern. Also findet es sich mit der Idee ab, steht aber weiterhin nicht zu ihr. Die Idee fordert viel Aufmerksamkeit und will gefüttert werden, um zu wachsen. Und bald beginnt auch das Kind, sich in der Umgebung der Idee immer wohler zu fühlen und ihr so viel Aufmerksamkeit zu schenken, wie sie verlangt. Dann, eines Tages, verändert sich ganz plötzlich alles.

Aber da war etwas Magisches an meiner Idee. Ich musste zugeben, dass ich mich besser und glücklicher fühlte, wenn sie in meiner Nähe war.

Buchdetails
Autor: Kobi Yamada – Illustratorin: Mae Besom – Übersetzerin: Michael Keusch – Herausgeber: Adrian Verlag – Erscheinungsjahr: 2017 – Buchlänge: 40 Seiten – Altersempfehlung: ab 6 Jahren – Preis: 12,95 € – ISBN:978-3947188420

Was macht man mit einem Problem?

Inhalt
In dieser Geschichte geht es um ein Kind, das eines Tages bemerkt, dass es verfolgt wird. Nicht etwa von einem anderen Menschen oder von einem Tier – nein: von einem Problem! Das macht dem Kind große Sorgen, denn das Problem stört es sehr und es hat Angst, dass das Problem etwas Schlimmes mit ihm anstellen könnte. Also versucht das Kind, alles zu tun, um das Problem loszuwerden. Aber anstatt, dass es weggeht, wird es größer und ist plötzlich überall. Also versucht das Kind, sich dem Problem zu stellen. Und macht dabei eine wunderbare Entdeckung.

„Warum ist es da? Was will es von mir? Was macht man mit einem Problem?“, dachte ich.

Buchdetails
Autor: Kobi Yamada – Illustratorin: Mae Besom – Übersetzerin: Gerda Maria Pum – Herausgeber: Adrian Verlag – Erscheinungsjahr: 2018 – Buchlänge: 40 Seiten – Altersempfehlung: ab 6 Jahren – Preis: 12,95 € – ISBN:978-3947188123

Was macht man mit einer Chance?

Inhalt
In dieser Geschichte geht es um ein Kind, dem sich eine Chance bietet. Das Kind ist unsicher und entscheidet zu spät, sie zu ergreifen. Auch bei der zweiten Chance hat es kein Glück und wird von den anderen ausgelacht – für das Kind eine ganz furchtbare Erfahrung. Die folgenden Chancen ignoriert es, obwohl es sich nach wie vor sehr für sie interessiert. Bei der nächsten Chance beschließt das Kind dann doch, mutig zu sein und sein Glück zu versuchen. Und dabei gelangt es zu einer wunderbaren Erkenntnis.

Als eine andere Chance auftauchte, war ich wieder unsicher. Aber ich entschied mich, es zu versuchen.

Buchdetails
Autor: Kobi Yamada – Illustratorin: Mae Besom – Übersetzerin: Gerda Maria Pum – Herausgeber: Adrian Verlag – Erscheinungsjahr: 2018 – Buchlänge: 40 Seiten – Altersempfehlung: ab 6 Jahren – Preis: 12,95 € – ISBN: 978-3947188420

Meine Meinung

Jeder Mensch hat Probleme. Ob klein oder groß, früher oder später tauchen sie auf. Sogar Kinder können schon Probleme haben – ob ein verlorenes Spielzeug, einen Streit mit einem Freund oder Probleme in der Schule. Und oft weiß man einfach gar nicht, was man im Falle eines Problems eigentlich machen soll – sogar noch als Erwachsener.

Im Laufe unseres Lebens gibt es viele Chancen, die sich uns auftun – aber oft ist es gar nicht so einfach, die Chancen zu ergreifen. Das kann mit vielen Faktoren zusammenhängen. Entweder muss man zur Ergreifung der Chance etwas anderes aufgeben oder man ist sich nicht sicher, ob man der Herausforderung schon gewachsen ist – man hat Angst vor dem Scheitern und davor, dass die anderen einem sagen: „Haben wir es dir nicht gesagt? Das klappt doch nie!“

Auch Ideen sind für Kinder und Erwachsene etwas Alltägliches. Ob zur Lösung eines Problems oder auf der Suche nach einer Herausforderung, Ideen können manchmal ganz plötzlich kommen. Eigentlich sind sie etwas Positives, denn sie können in bestimmten Situation ungemein hilfreich sein. Aber auch Ideen haben ihre Schattenseiten, ebenso wie Chancen. Denn nicht jeder findet deine Ideen gut oder glaubt an sie.

Wie schön, dass es Bilderbücher gibt, in denen eben diese wichtigen Themen und Fragen des Lebens aufgegriffen werden. Viele Bilderbücher (problemorientiert) beschäftigen sich mit speziellen Problemen, etwa Ängsten, Verlusten oder Streit. Sie machen Mut, bestimmte Dinge zu tun oder leiten einen dazu an, in bestimmten Situationen kreativ zu sein und nach der zündenden Idee zu suchen, um eine Situation zu meistern. Durch Vorbilder wird gezeigt, wie mit bestimmten Problemen oder Herausforderungen, mit Gewissenskonflikten umgegangen wird. Aber offen bleibt oft, was es mit diesen drei nicht greifbaren Phänomenen auf sich hat, was man mit ihnen macht und welche Möglichkeiten sie beinhalten.

In den drei Was macht man mit …? Bilderbüchern von Kobi Yamada geht es aber um das Problem, die Chance und die Idee als allgemeines Phänomen – als etwas Abstraktes, das in diesen Geschichten zu etwas Sichtbarem, etwas Greifbarem wird. Der Junge oder das Mädchen – das Geschlecht ist weitestgehend offen – steht zu Beginn der Geschichten immer vor der Situation, dass ihm oder ihr etwas auffällt: ein Problem, eine Chance oder eine Idee, das/die das Kind verfolgt. Während das Problem immer dableibt, gerade wenn man versucht, es loszuwerden, verfliegen die Chancen, wenn man zu lange zögert und sie nicht ergreift. Ideen wiederum muss man füttern, damit sie wachsen können und das Potenzial, etwas zu verändern, entfalten.

Das Kind gerät in einige innere Konflikte, in denen es erkundet, was es mit dem jeweiligen Phänomen machen soll. Als Beispiel: Das Problem will das Kind zunächst durch Verdrängung loswerden, durch Sich-Verstecken oder Weglaufen. Als es merkt, dass dies nicht klappt, versucht es, anders an die Sache heranzugehen und gelangt schlussendlich zu einer überraschenden, aber auch sehr nützlichen Erkenntnis. Jedes Buch endet auf diese Weise und hat eine wunderschöne Moral für uns parat. Es regt zu Beginn, im Verlauf und am Ende der Geschichte zum Nach- und Weiterdenken an.

Sprachlich sind die drei Bilderbücher wunderschön und sehr ästhetisch. Der Text ist in einfachen Worten gehalten und dennoch wirkt es, vielleicht aufgrund der sehr bildhaften Sprache, beinahe poetisch und von einem ganz besonderen, schönen Klang.

Die Illustrationen von Mae Besom sind immer weitestgehend im selben Stil. Das Kind wurde so gezeichnet, dass es sich dabei um einen Jungen oder um ein Mädchen handeln könnte. Es wirkt vom Aussehen teils asiatisch, teils indianisch. In den Bildern sind oft auch Tiere aus dem Wald zu sehen, die im Text nicht vorkommen, aber offensichtlich enge Gefährten des Kindes sind. Andere Menschen kommen immer dann vor, wenn es darum geht, dass das Kind in seinen Chancen oder Ideen nicht bestärkt wird. Die Personen sind immer eher Schatten und ganz mit Bleistift gezeichnet. Durch ihre Kleidung wirken sie ebenfalls wie Bewohner eines Indianerstammes.

Die Illustrationen sind oft vielfältig deutbar und es gelingt der Illustratorin, etwas nicht Sicht- und Greifbares bildlich darzustellen. Das Problem als dunkle Wolke, die Chance als Papierflugzeug mit goldenem Schweif und die Idee als goldenes Ei mit Krönchen und Füßen. Während die Illustrationen zu Beginn eher farblos sind und nur vereinzelt farbige Akzente haben, werden sie am Ende farbenprächtiger. Hierdurch soll der Durchbruch des Kindes, die Erkenntnis und die vielfältigen Möglichkeiten der Phänomene veranschaulicht werden, die letztendlich zu einer positiven Veränderung führen können.

Insgesamt drei gelungene Bilderbücher, in denen drei wichtige Fragen des Lebens von Kindern (und Erwachsenen) behandelt werden. Die Geschichten konnten mich voll überzeugen, die Illustrationen sind allerdings gewöhnungsbedürftig und gefallen mir nicht zu 100 %. Dennoch beinhalten sie viel Potenzial für Gespräche. Die Bücher bekommen von mir jeweils 4 Sterne.

Besondere Einsatzmöglichkeiten

Die drei Bilderbücher können sehr gut in der Grundschule eingesetzt werden. Ich würde sie auch frühestens ab 6 Jahren empfehlen, auch wenn der Verlag einige Bücher bereits ab 5 Jahren vorschlägt.
Mit Kindern in der Grundschule kann man prima philosophieren, wozu diese Bilderbücher eine gute Ausgangslage bietet. Durch die Allgemeinheit der Phänomene kann das Vorwissen der Kinder aktiviert werden und sie können typische Probleme, Chancen und Ideen sammeln.

Außerdem können die Kinder versuchen, die jeweilige Frage des Bilderbuches zu beantworten. Beim Problem-Buch könnten sie Möglichkeiten finden, wie man mit Problemen umgeht und reflektieren, welche der Lösungen sinnvoll und welche eher hinderlich ist.
Zum Schreiben angeregt werden könnten sie dadurch, dass sie über ein eigenes Problem / eine eigene Idee / eine eigene Chance, die sich ihnen einmal ergeben hat, schreiben.

Man kann mit den Kindern zu den Geschichten auch etwas basteln. Auf der Website des Adrian-Verlag findet ihr eine Bastelanleitung für das Idee-Ei. Das Problem kann beispielsweise durch ein schwarzes Wollknäuel dargestellt werden. Die Kinder könnten solche Wollbälle basteln und darin Zettel mit ihren Problemen verstecken. Wenn sie später wieder hineinschauen, hat sich das Problem vielleicht schon gelöst – dann können sie die Lösung des Problems aufschreiben und ebenfalls in den Wollball tun.
Die Chance kann durch einen Papierflieger mit Schweif aus gelbem Krepppapier veranschaulicht werden. Auf die Flügel oder den Schweif können die Kinder notieren, was man mit einer Chance machen kann.

Die Bilderbücher wurden mir vom Adrian-Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ihr erhaltet sie u.a. hier.

Bilderquelle: Amazon.de

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