[Rezension] Das Mäuseschloss

Wer kennt ihn nicht – Paddington, den sympathischen und etwas tollpatschigen Bären aus dem tiefsten Peru. Der Autor Michael Bond hat nun vor einiger Zeit ein anderes Bilderbuch herausgebracht – und das könnte ebenfalls bezaubernder nicht sein. Neben einer sehr niedlichen Geschichte über eine Mäusefamilie überzeugen hier insbesondere die nostalgischen Illustrationen von Emily Sutton.

Inhalt
Im Schloss eines Grafen steht ein wunderschönes Puppenhaus. Was der Graf nicht weiß, ist, dass das Puppenhaus von einer Mäusefamilie bewohnt ist. Die Mäuse fühlen sich im Puppenhaus – ihrem Mäuseschloss – sehr wohl, sorgen gleichzeitig aber auch dafür, dass es immer ordentlich ist und so die Besucher des Schlosses beim Anblick des Hauses täglich staunen. Doch eines Tages wird das Schloss des Grafen renoviert und strahlt bald in neuer Schönheit. Daneben wirkt das Puppenhaus plötzlich alt und schäbig – die Besucher machen keine Fotos mehr. Um das Puppenhaus zu retten, wollen die Mäusekinder es eines Tages selbst renovieren – doch damit machen sie alles nur noch schlimmer…

Buchdetails
Autor: Michael Bond – Illustratorin: Emily Sutton – Übersetzerin: Seraina Maria Sievi – Herausgeber: Orell Füssli – Erscheinungsjahr: 2017 – Buchlänge: 32 Seiten – Altersempfehlung: ab 3 Jahren – Preis: 14,95 € / 24,90 CHF – ISBN: 978-3-280-03544-3 – Hier kaufen*

Meine Meinung
Bereits beim ersten Anblick dieses Covers (und ohne zu wissen, dass das Bilderbuch vom Autor eines meiner liebsten Kinderbücher – Paddington – ist) war ich hellauf begeistert. Das Buch wirkt einfach zwischen den ganzen eher ‚modernen‘ Bilderbüchern nach einem antiken Schatz, der irgendwann im 20. Jahrhundert herausgebracht wurde. Dieser Eindruck täuscht natürlich, denn das Bilderbuch ist erstmals 2016 erschienen.

Die Geschichte ist herzallerliebst. Das Setting ist so gewählt, wie man sich England traditionell vorstellt – in einem altenglischen Schloss in einer Grafschaft mit einem herrlichen und gut gepflegten Garten. Und im Schloss gibt es ein wunderschönes Puppenhaus, das für die Besucher eines der Ausstellungsstücke darstellt. Mich erinnert das sehr an meine eigene Kindheit, denn damals habe ich liebend gern mit dem Puppenhaus gespielt.

Auch die Mäuse und der Graf wirken durch ihre Kleidung eher wie aus einer anderen Zeit: Herr von Maus trägt einen Frack und Zylinder, Frau von Maus einen sehr auffälligen, damenhaften Hut. Der Graf trägt einen karierten Anzug, eine Ballonmütze, eine Fliege und einen Gehstock. Und auch die Besucher im Schloss haben eher altmodische Kleidung, die man so heutzutage eher selten sieht.

Die Geschichte beginnt mit einem Ist-Zustand über das harmonische Leben der Mäuse. Alles scheint perfekt, nichts kann sie in ihrem glücklichen Leben und ihrem Zuhause stören. Wir erfahren, wie die Mäuse vom Grafen profitieren – nämlich, indem sie (wenn auch heimlich) in seinem Puppenhaus wohnen können – und wie der Graf gleichzeitig auch von ihnen profitiert – ganz nach dem Motto: Eine Hand wäscht die andere. Außerdem werden wir in den Alltag der Mäusefamilie mitgenommen, erfahren, was sie im Sommer, was im Winter machen. Den Twist bringt dann die Renovierung des Schlosses und damit nimmt das Unheil seinen Lauf.

Pro Seite gibt es nicht zu viel Text – ich finde es genau passend, um neben dem Hören des Textes auch noch Raum für die Bildbetrachtung und die Entdeckung von Details zu lassen. Jeder Textabschnitt beginnt mit einem etwas größeren Buchstaben in einer anderen Schriftart, was das Buch noch zusätzlich aufwertet. Die Geschichte selbst beginnt mit der formelhaften Wendung ‚Es war einmal…‘, was gerade für Kinder, die viele Märchen hören, eine vertraute Atmosphäre und Wiedererkennungswert schafft.

Sprachlich ist die Geschichte kindgerecht erzählt, es gibt viele einfache Sätze und nur selten Nebensatzkonstruktionen. Außerdem wird mit Wiederholungen gearbeitet, sodass die Kinder einzelne Satzteile wiedererkennen können und nicht durch zu viele neue Informationen und Wörter überfordert werden. Neben einer kindgerechten, aber ästhetischen Sprache, finden sich auch alltägliche, modernere Redewendungen wie ’sahen fern‘. Und direkte Rede, wenn auch nur sehr selten, macht die Geschichte noch lebendiger.

Die Illustrationen von Emily Sutton sind wirklich ein Traum. Sie entführen einen in längst vergangene Zeiten und an sehr harmonisch wirkende Orte. Die Farben sind sehr dezent, niemals schrill oder für das Setting unangemessen. Auch finden sich auf den Bildern so viele Details, dass man aus dem Betrachten und dem Entdecken gar nicht herauskommt. Die Illustrationen entsprechen ganz meiner Vorstellung von einem englischen Bilderbuch von vor 30 – 50 Jahren und sind eine sehr willkommene Abwechslung von den Illustrationen, die sonst in Bilderbüchern zu finden sind. Auch gefällt mir, dass Einflüsse der heutigen Zeit weitestgehend weggelassen wurden und so ein noch harmonischeres Bild entsteht.

Ich finde, dieses Bilderbuch ist ein richtiges Wohlfühl-Buch. Die Geschichte ist sehr süß und beinhaltet Themen wie Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung und Familie – aber durch den Verlust des Hauses auch ein ernsteres Thema. Die Illustrationen schaffen eine nostalgische Atmosphäre, die einen in eine andere Zeit entführt und die Vorstellungen des traditionellen Englands sehr gut widerspiegelt. Wir lesen dieses Buch sehr gerne vor dem Schlafengehen und vergeben 5 Sterne dafür.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Orell Füssli Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! 

Bildquelle: Amazon

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