[Rezension] Als Larson das Glück wiederfand

Larson schaut sich das Gemälde an. Es zeigt eine Sommerwiese mit roten Mohnblumen. Larson weiß, dass es genau die Wiese ist, auf der er Sara das erste Mal an sich drückte. (Martin Widmark)

Buchdetails
Autor: Martin Widmark – Illustratorin: Emilia Dziubak – Übersetzer: Ole Könnecke – Herausgeber: Ars Edition – Erscheinungsjahr: 2018 – Buchlänge: 40 Seiten – Altersempfehlung: ab 7 Jahren – Preis: 15 € – ISBN: 978-3845825991

Inhalt
Larson ist ein alter Mann, der des Lebens müde geworden ist. Einsam lebt er in seinem großen Haus und wird täglich von den Erinnerungen an bessere, glücklichere Zeiten heimgesucht. Aber diese Zeiten sind vorbei, seit seine Frau Sara gestorben ist und er den Kontakt zu seinen Kinder verloren hat. Sogar sein Kater hat sich aus dem Staub gemacht. Eines Nachts klingelt es an seiner Tür und der Nachbarsjunge steht davor. Der Junge bittet Larson, sich um seine Blume zu kümmern. Larson ist davon zuerst gar nicht begeistert. Als er aber eines Morgens das erste Blatt in der Erde entdeckt, scheinen seine Lebensgeister Stück für Stück wiederzukehren.

Meine Meinung
Angesprochen von dem wunderschön illustrierten Cover wollte ich die Geschichte von Larson unbedingt näher kennenlernen. Ganz gespannt war ich natürlich auch auf die Illustrationen, nachdem das Cover mir bereits einen ersten Vorgeschmack auf diese gegeben hat.
Mein erster Eindruck, als ich das Buch durchgeblättert habe und den Text gelesen habe, war: Ist das nicht eher ein Bilderbuch für Erwachsene? Der Hauptcharakter – Larson – ist ein alter Mann, der alles verloren hat, was ihm lieb ist. Er ist verbittert und lebt einsam und zurückgezogen in einem Haus, das wegen der Vernachlässigung düster und verlassen wirkt.
Die Geschichte beginnt sehr trübselig, indem die Lage von Larson geschildert wird. Dabei wird allerdings nicht zu sehr auf Details eingegangen – weder erfahren wir den Grund für den Tod seiner Frau noch den Grund dafür, dass er keinen Kontakt mehr zu seinen Kindern hat. Auch über Herrn Larsons früheres Leben erfahren wir recht wenig. Er hat gerne gelesen und hatte, wie gesagt, eine Familie. Aber wir erfahren etwas über den traurigen Alltag, den er seither führt: Er schwelgt in Erinnerungen an glücklichere, längst vergangene Tage. Dies wird auf der Bildebene hervorragend dargestellt. Die damaligen Menschen (sein junges Ich, seine junge Frau und seine Tochter) werden schemenhaft, fast geisterhaft dargestellt und verdeutlichen so – im Kontrast zum restlichen Bild -, dass es sich nur um eine Erinnerung handelt.
Als Larson dann die Blume erhält, gibt es eine Wendung in der Geschichte. Es taucht nicht nur ein wesentlich jüngerer Charakter auf – der Nachbarsjunge – sondern auch Larson verändert sich und beginnt, wieder Mut und Hoffnung zu fassen.
Obwohl der Hauptcharakter ein alter Mann ist, gibt es dennoch auch für Kinder Identifikationsmöglichkeiten. Viele Kinder werden auch schon die Erfahrung gemacht haben, einen geliebten Menschen verloren zu haben – und nur noch die Erinnerung an die früheren Zeiten mit diesem Menschen zu haben. Außerdem können auch Kinder Gefühle von Einsamkeit nachvollziehen. Aber auch wenn Kinder diese Emotionen noch nicht kennen, leistet das Kennenlernen dieser einen wichtigen Beitrag für das literarische Lernen, indem sie sich mit ihnen unbekannten Gefühlen und Situationen auseinandersetzen. Dennoch würde ich das vom Verlag empfohlene Mindestalter von 5 Jahren nicht unterstützen, da es Themen wie ‚Tod‘ und ‚Trauer‘ aufgreift, mit denen in diesem Alter vielleicht noch nicht alle Kinder vertraut sind. Zur Einführung der Todesthematik eignet sich dieses Buch eher nicht.
Die Illustrationen sind atemberaubend. Anders kann ich es nicht sagen. Sie sind mit viel Liebe zum Detail gezeichnet.
Larson, der zwar ein alter Mann ist, wirkt auf den Bildern viel kindlicher. Er ist klein und mit seiner Knubbelnase, seinem länglichen Kopf und den hochstehenden Haaren sieht er sehr niedlich aus. Die Illustrationen sind oft recht dunkel und verdeutlichen dadurch die Atmosphäre der Einsamkeit, der Trauer und des Vermissens. Es werden vorwiegend dunkle Brauntöne verwendet. Dennoch sind Strukturen gut erkennbar und auf jedem Bild findet sich mindestens eine Lichtquelle, die das Ganze auflockert. Gerade zu Ende werden die Illustrationen, wenn auch nicht unbedingt farbenfroher, doch heller und freundlicher. Lediglich die Bilder, die die Erinnerung an seine Frau zeigen, sind mit vergleichsweise vielen Farben. Die meisten Bilder sind auf einem cremefarbenen Hintergrund abgebildet und wirken dadurch fast wie Fotos. Die gerundeten Ecken passen da sehr gut. Die Illustrationen stellen teilweise eine eher fantastische Sichtweise der Geschichte dar. Die Bilder sind voller Symbolik und haben dadurch gleich noch einen höheren Wert – denn sie stellen nicht einfach Eins zu Eins das im Text erzählte dar. Teilweise erzählen die Bilder etwas über den Text hinaus – und zwar so, dass mehrere Deutungen möglich sind.
Die verwendete Schriftart gefällt mir auch sehr gut – es ist mal eine andere, als sonst in Bilderbüchern verwendet.
Ein vereinzelt trauriges und doch wunderschön poetisches Bilderbuch über das Glück und eine entstehende Freundschaft. Die Geschichte und die Bilder machen Hoffnung – denn das Leben geht weiter, auch wenn es dafür ein kleines Zeichen, wie eine Blume, braucht.
Das Bilderbuch ist sowohl für Kinder ab etwa 7 Jahren als auch für Erwachsene sehr gut geeignet. Die Bilder sind aufgrund ihrer hohen Ästhetik für auch für Erwachsene sehr ansprechend und bieten zudem viele Gesprächsanlässe. Ich finde das Bilderbuch wundervoll und gebe ihm daher 5 Sterne und ein ‚sehr zu empfehlen‚.

Das Bilderbuch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag Ars Edition zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ihr erhaltet das Buch u.a. hier

Besondere Einsatzmöglichkeiten
Das Bilderbuch eignet sich für den Einsatz in der Grundschule. Es kann im Deutsch-, Ethik- oder Religionsunterricht herangezogen werden, um über Themen wie ‚Tod‘, ‚Trauer‘, ‚Einsamkeit‘, ‚Glück‘ und ‚Freundschaft‘ zu sprechen. Gerade die Bilder bieten auch viele Sprech- und Schreibanlässe. Außerdem können die Schüler ihre eigenen Ideen und Perspektiven äußern, z. B. was für sie Glück bedeutet. Da das Ende vereinzelt offen bleibt (Achtung: Spoiler!) und der Leser nicht erfährt, ob Larson sich wieder mit seinen Kindern verträgt, könnten die Schüler hier eine Fortsetzung der Geschichte oder einen Brief, den Larson an seine Kinder schreibt, verfassen.



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