[Rezension] Bäume

Inhalt
Welche unterschiedlichen Arten von Bäumen gibt es eigentlich und wodurch unterscheiden sie sich von anderen Gewächsen? Welche Blätter gehören zu welchem Baum und was passiert während der vier Jahreszeiten mit den unterschiedlichen Baumtypen? Wozu sind die Wurzeln gut und wie ernähren sich Bäume? Dies sind einige der typischen Fragen, die sich im Zusammenhang mit Bäumen zunächst einmal stellen und die vermutlichen in den meisten Sachbüchern zu diesem Thema aufgegriffen und beantwortet werden.. Auch Piotr Socha und Wojciech Grajkowski geben auf diese Fragen ausführliche Antworten. Aber: Das Buch geht weit über diese Themen hinaus. So erfahren wir in diesem Sachbilderbuch nicht nur, wo bestimmte Bäume verbreitet sind, sondern auch welche Rolle sie in Mythen, Legenden und Märchen spielen oder welches die höchsten, die dicksten oder die ältesten Bäume auf der Welt sind. Und wem das noch nicht reicht, den interessiert vielleicht, was es mit den mexikanischen ‚Lebensbäumen‘ auf sich hat und was Luftwurzeln sind.

Wir nehmen, was wir täglich um uns haben, schnell als selbstverständlich. An den Anblick von Bäumen haben wir uns gewöhnt, und wir hantieren mit Dingen aus Holz, ohne ihre Schönheit wahrzunehmen oder nur daran zu denken, wie faszinierend Bäume sind und wie viel wir ihnen verdanken. Ist es nicht an der Zeit, sie neu zu entdecken? – Piotr Socha & Wojciech Grajkowski

Meine Meinung
Was für eine wahre und wichtige Botschaft sich doch hinter diesem so passenden Zitat verstecken, das am Ende der Einleitung des neuen Sachbilderbuches von Piotr Socha steht. Nach dem erfolgreichen Sachbuch Bienen ist bereits im letzten Jahr (2018) ein neues Werk des Autors und Illustrators erschienen. Bei diesem hat allerdings jemand anderes den Text übernommen und Piotr Socha hat sich ganz den Illustrationen gewidmet.

Ich gebe zu, ich war bei dem Thema erst skeptisch. Ein ganzes Buch nur über Bäume? Was soll es da denn so viel drüber zu erzählen geben? Ich konnte es mir wirklich nicht so ganz vorstellen, habe mich dann aber (zum Glück!) doch für dieses Sachbilderbuch entschieden und ihm eine Chance gegeben, nicht allein weil ich so viel Gutes über das Buch gehört habe – sondern auch wegen des wieder einmal sehr ansprechenden Covers, auf dem meine Tochter übrigens ein ‚Baummonster‘ erkennt – womit sie vielleicht auch gar nicht so falsch liegt.

Schon seit einiger Zeit geht es bei Sachbilderbüchern nicht mehr nur allein um den Wissenserwerb. Während Sachbücher früher eher unbeliebt waren (zumindest bei mir), weil sie einem auf eine nicht sehr ästhetische Art und Weise Informationen vermittelt haben, sind sie heute in den unterschiedlichsten Formen und Arten verfügbar. Es gibt sie mit Klappen, mit Pop-Up-Elementen, mit ausklappbaren Seiten und mit sehr anspruchsvollen und ansprechenden Illustrationen. Sie sind neben der Informationsquelle auch zur Kunstform geworden – die den Ansprüchen von Kindern UND Erwachsenen genügen.

In diesem Bilderbuch machen die Kombination aus Bild und Text das Lesen, Betrachten und Lernen zu einem einzigartigen Erlebnis. Die großformatigen und dominanten Bilder sind teilweise sehr farbenfroh, wobei in diesem Buch die Farben Grün und Braun definitiv dominieren. Die Illustrationen befinden sich irgendwo zwischen Abstraktion und Fotorealismus. Einige Elemente wirken sehr detailgetreu, während andere Elemente stark abstrahiert und zum Teil auch verniedlicht wirken. Die Tiere und vor allem die Personen wirken oft eher lustig und haben nicht selten eine übergroße Nase im Gesicht. Teilweise wird durch die Bilder eine einzelne Szene dargestellt, oft handelt es sich aber um viele Einzelbilder zu einem Thema. Diese sind oft beschriftet oder nummeriert, sodass man sie beim Lesen des Textes (relativ) schnell wiederfinden kann.

Die Texte sind Fließtexte, die sich jeweils links oder rechts von den Illustrationen befinden. Sie sind relativ lang, weshalb sie in mehrere Sinnabschnitte geteilt sind. Die Schrift und die Zeilenabstände sind allerdings recht klein, weswegen sich die Texte zum Selberlesen frühestens ab der dritten Klasse eignen. Die Texte sind gut verständlich, beinhalten aber auch komplizierte und längere Begriffe, die gegebenenfalls bei Kindern Erklärungsbedarf erfordern. Die Themen im Sachbilderbuch sind sehr vielfältig. Neben allgemeinen Themen, die sich in den meisten Sachbilderbüchern zum Thema ‚Bäume‘ finden, gibt es viele Bereiche, mit denen vermutlich niemand gerechnet hätte. Es gibt ein Kapitel/eine Tafel zu Baumungeheuern, zu frisierten Bäumen, zu Bauwerken aus Holz, zu Naturgewalten und zu Holzschnitzereien. Die Themen sind so gewählt, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist und man mit dem Betrachten und Lesen gar nicht mehr aufhören möchte.

Ein kleines Manko gegenüber dem Bienen-Buch ist, dass es keine Baum-Zeitung gibt – im ersten Sachbilderbuch gab es zwei Tafeln mit dem Bienen-Blättchen, auf dem sich weitere interessanten Informationen befunden haben. Das war eine tolle Idee! Die zwei Seiten ‚Aus dem Blätterwald‘ könnt ihr dafür hier herunterladen. Außerdem gibt es, wie bei Bienen, leider auch kein Inhaltsverzeichnis und kein Begriffsverzeichnis, was das finden von einzelnen Tafeln oder Themen doch etwas erschwert.

Meine anfängliche Skepsis zeigt, wie wenig ich und vermutlich ein Großteil der Menschheit eigentlich über Bäume wissen, obwohl wir doch tagtäglich von ihnen umgeben sind und sie einen wichtigen Teil in unserem Leben einnehmen – was uns leider oft nicht so ganz bewusst ist. Piotr Socha und Wojciech Grajkowski ist ein wunderbares Sachbilderbuch gelungen – eine wunderschöne Hommage an diese großen Lebewesen. Die Informationen gehen weit über unsere Erwartungen an ein derartiges Sachbilderbuch hinaus und werden durch wunderbare, farbenprächtige Illustrationen von Piotr Socha noch stark aufgewertet. Ganz klare Kaufempfehlung und 5 Sterne, trotz der kleinen Kritik.

Besondere Einsatzmöglichkeiten
Dieses Sachbilderbuch darf einfach in keiner Grundschulklasse fehlen. Wer eine Einheit zum Thema ‚Bäume‘ plant: Holt euch dieses Sachbilderbuch, es ist so eine sinnvolle Investition – und die 25 € sind wirklich angemessen für das, was man geboten bekommt.. Ich gebe zu, es ist ein wahrer Schatz und ihn in Kinderhände zu geben bedarf vielleicht einiges an Überwindung. Aber: Die Themenvielfalt und die Informationen sind so interessant, dass sie die Kinder einfach motivieren, zu dem Thema zu arbeiten. Ob als Nachschlagewerk, als Inspiration für Arbeitsblätter und Stationen oder als Ausgangspunkt für Referatsthemen – das Buch bietet so viel Potenzial. Ich stelle es mir sehr interessant vor, die Schülerinnen und Schüler ein Referatsthema aus dem Buch wählen zu lassen – ob über unterschiedliche Wurzelarten, über Bäume in Märchen und Mythen oder über Stammbäume, es ist allemal interessanter als die ‚üblichen‘ Referatsthemen, die es sonst zu dem Thema gibt. Wenn ihr das Buch bereits in einer unteren Klassenstufe verwenden wollt, empfiehlt es sich, die Texte für die Kinder in größerer Schrift und mit größerem Zeilenabstand abzutippen und unter den Mitgliedern einer Gruppe aufzuteilen. Kinder, die noch nicht so gut lesen können, können sich auf die Illustrationen konzentrieren und hier Informationen heraussuchen.

Hier gebe ich euch einen kleinen Einblick in die Themen, die es in dem Sachbilderbuch zu entdecken gibt:
Die ältesten Bäume – Der Holzfäller und seine Arbeit – Jahresringe – Bäume in der Religion – Urwald – Urgeschichtliche Bäume – Mobil mit Holz

Das Buch wurde mir netterweise als Rezensionsexemplar vom Gerstenberg Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ihr erhaltet es u.a. hier.

Buchdetails
Autor: Wojciech Grajkowski – Illustrator: Piotr Socha – Übersetzer: Thomas Weiler – Herausgeber: Gerstenberg Verlag – Erscheinungsjahr: 2018 – Buchlänge: 80 Seiten – Altersempfehlung: ab 5 Jahren – 25 € – ISBN: 978-3-8369-5654-3

Bildquelle: Gerstenberg Verlag

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