[Rezension] Das Mädchen, das Weihnachten rettete

Coverbild Das Mädchen, das Weihnachten rettete von Matt Haig, ISBN-978-3-423-28128-7

Kennt ihr schon die weihnachtliche Trilogie rund um Nikolas, den Weihnachtsmann und das Schornsteinfeger-Mädchen Amelia? Matt Haig ist mit diesen Büchern ein wahres Wunderwerk gelungen, das Klein und Groß begeistern kann. Auch im zweiten Teil werden wir wieder mitgenommen auf eine Reise nach Wichtelgrund sowie in die Vergangenheit. Wer den ersten Band kennt, weiß, dass in diesen Büchern zunächst nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen ist – aber dennoch im Laufe der Handlung das Hoffnungsbarometer ansteigt.

Inhalt

Heiligabend steht vor der Tür und in Wichtelgrund sind alle Bewohner ganz aufgeregt. Zum zweiten Mal wird der Weihnachtsmann allen Kindern der Welt Geschenke bringen – so der Plan. Doch plötzlich kommen Geräusche aus dem Untergrund, dann der erste Riss im Boden und schon stürzt halb Wichtelgrund in sich zusammen. Die Übeltäter geben sich bald schon zu erkennen und das sind nicht die angenehmsten Wesen…
Zur gleichen Zeit im viktorianischen London bricht auch für die neunjährige Amelia eine Welt zusammen, als ihre Mutter nach schwerer Krankheit stirbt und sie vom bösartigen Mr Creeper ins Arbeitshaus gesperrt wird. Als dann nicht einmal der Weihnachtsmann kommt und ihren Wunsch erfüllt, schwindet ihre Hoffnung immer mehr. Ob Weihnachten im nächsten Jahr alles besser wird?

Buchdetails

Autor: Matt Haig – Illustrator: Chris Mould – Übersetzerin: Sophie Zeitz – Herausgeber: dtv – Erscheinungsjahr: 2017 – Buchlänge: 336 Seiten – Altersempfehlung: ab 10 Jahren – Preis: 17 € – ISBN: 978-3423281287 – Hier kaufen

Meine Meinung

Letztes Jahr habe ich an Weihnachten das Buch Ein Junge namens Weihnacht von Matt Haig gelesen und war sofort begeistert von der Welt, die der Autor da für junge (und wie ich finde auch erwachsene) Leser erschaffen hat. Obwohl die Geschichte eher traurig und vereinzelt düster begonnen hat und den Jungen auch im Laufe der Reise noch ein schwerer Schicksalsschlag ereilt, fand ich die Geschichte sehr weihnachtlich und herzerwärmend.

Im ersten Teil geht es darum, wie der Halbwaise Nikolas seinen Vater sucht, der sich mit einer Gruppe von Männern auf die Suche nach Wichtelgrund gemacht hat. Statt seinen Vater zu treffen, wird er von Wichteln gefunden und aufgenommen. Doch ziemlich schnell merkt er, dass in Wichtelgrund etwas nicht stimmt. Die Wichtel verhalten sich sehr unwichtelig – Grund ist die Entführung eines Wichtelkindes. Also macht Nikolas sich auf den Weg, das Kind zu retten. Und im Laufe der Zeit findet er nicht nur dieses, sondern auch seine wahre Bestimmung als Weihnachtsmann.

Seit der Kindheit von Nikolas sind nun viele Jahre vergangen. Der zweite Teil spielt etwa in der Zeit zwischen 1839 und 1843. Ein Handlungsort ist natürlich Wichtelgrund, wo sich seit dem ersten Teil einiges verändert hat. Denn: Überall herrscht weihnachtliche Stimmung, ‚unmöglich‘ ist ein Schimpfwort und alle freuen sich darauf, den Kindern auf der Welt Geschenke zu machen. Doch dann wird Weihnachten durch den Angriff der Trolle verhindert – warum, weiß keiner. Hier entsteht bereits zu Beginn der erste Spannungsbogen, der maßgeblich für den weiteren Verlauf der Geschichte ist. Nicht nur die Frage, ob Weihnachten im darauffolgenden Jahr problemlos stattfinden wird, sondern auch die Frage nach der Ursache des Angriffes lässt den Leser nicht mehr los.

Zeitgleich im viktorianischen London erleben wir auf einem zweiten Handlungsstrang die Geschichte des Mädchens Amelia mit, deren Mutter schwerkrank ist und kurze Zeit später verstirbt. In diesem Teil der Geschichte spielen noch zwei Antagonisten eine Rolle: Mr Creeper, der Amelia in sein Arbeitshaus aufnimmt und sie dort täglich zu stundenlanger Arbeit zwingt sowie Mrs Sharpe, die im Arbeitshaus persönlich dafür sorgt, Amelia das Leben zur Hölle zu machen. Hier haben wir den zweiten Spannungsbogen, denn natürlich wollen wir wissen, wie es Amelia nach einem Jahr im Arbeitshaus geht und ob sie jemals entkommen kann.

Bereits bei den ersten Zeilen der Erzählung rund um Amelia musste ich an Charles Dickens und seine Geschichten, insbesondere aber an die Weihnachtsgeschichte denken. Mr Creeper, der keine Gnade und kein Mitgefühl kennt und sogar an Weihnachten nicht davor zurückschreckt, andere schlecht zu behandeln, hat mich direkt an Dickens Ebenezer Scrooge erinnert. Und auch die Erwähnung eines Arbeitshauses – das in der Weihnachtsgeschichte ebenfalls kurz angesprochen wird – hat mich aufmerksam werden lassen. Was habe ich mich dann gefreut, als Charles Dickens wirklich um die Ecke biegt und Amelia zumindest ein bisschen helfen kann.

Auch auf Wichtelgrund und seine magischen Bewohner habe ich mich wieder sehr gefreut. Auch wenn Wichtel natürlich keine neuen, innovativen Wesen sind, gelingt es Matt Haig einfach hervorragend, sie auf seine ganz eigene Weise zu interpretieren. Ich liebe die Art und Weise, wie die Wichtel reden und denken. Gerade ihre Uhrzeiten sind immer wieder abwechslungsreich, etwa Langsam wird es Zeit oder Viertel nach Wirklich sehr früh. Da ich den ersten Teil vor einem Jahr gelesen habe, musste ich mich allerdings erst wieder an die Namen und die einzelnen Charaktere erinnern. Und auch in diesem Buch kommen noch so einige innovative Erfindungen und unbekannte Wesen hinzu, die leider nicht immer Gutes im Sinn haben.

Die Geschichte, die in einer wunderbaren, kindgerechten aber erzählerisch sehr ästhetischen Sprache verfasst ist, wird durch die Illustrationen von Chris Mould bereichert. Diese sind in schwarz-weiß und passen so gerade zu den eher dunklen, hoffnungslosen Stellen in der Geschichte. So gelingt ihm hervorragend, durch die Darstellung des Arbeitshauses eine bestimmte, düstere Atmosphäre hervorzurufen. Und auch die Charakterisierung von Personen ist lobenswert. Während die Wichtel wirklich niedlich und meist freundlich dargestellt sind, wirken Mr Creeper und Mrs Sharpe sehr böswillig, Amelia wiederum abgemagert und hoffnungslos.

Obwohl die Geschichte vereinzelt wirklich traurig ist und das Leben und Schicksal von Kindern zeigt, die eben keine so unbeschwerte Kindheit und kein so perfektes Weihnachtsfest hatten, wie wir es heute oft kennen, gelingt dem Autor durch den Wechsel der Handlungsstränge eine gelungene Mischung aus Hoffnungslosigkeit, Angst, weihnachtlicher Vorfreude und Unbeschwertheit – mit der Hoffnung auf ein gutes Ende der Geschichte. Mir hat dieser Teil der Trilogie ebenso gut gefallen, wie das erste Buch und ich kann es nur empfehlen – ob zum Selberlesen oder zum gemeinsamen Lesen im Kreise der Familie. Das Buch kann übrigens auch gelesen werden, wenn man den ersten Teil nicht kennt – dennoch empfehle ich auch diesen sehr!

5 Sterne

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom dtv Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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