[Rezension] Emmi und Einschwein – Einhorn kann jeder!

„Mobbing ist wie ein Essensrest – schön ein bisschen Soße drüber, dann schmeckt es. Wenn man Mobbing grillt, wird es richtig weich“. (Einschwein) – Anna Böhm

Emmi und Einschwein, 9783789108891

Inhalt
Bald ist es endlich so weit – Emmis großer Fabeltag steht vor der Tür. In Wichtelstadt, wo Emmi mit ihrer Familie – den Brixens – wohnt, bekommt nämlich jedes Kind zu seinem zehnten Geburtstag ein eigenes Fabelwesen. Natürlich ist Emmi sehr aufgeregt. Da sie in der Schule gemobbt wird und sehr unbeliebt ist, hofft sie, dass sie ein ganz besonderes Fabeltier bekommt: Ein Einhorn! Als sie kurz vor dem großen Tag von einem schimmernden Horn träumt, ist sie sich sicher, dass sie ein Einhorn bekommt. Aber muss Henk, der Drache von Herrn Brix, das unbedingt den Kindern, die sie so gerne schikanieren, erzählen? Denn dann kommt es, wie es kommen muss: Emmi bekommt gar kein Einhorn, sondern ein süßes kleines Einschwein – ohne Schweif, mit kleinem Bäuchlein und ganz sicher nicht so vornehm wie ein Einhorn! Emmi ist erst einmal gar nicht begeistert. Doch dann freundet sich Emmi doch mit Einschwein an und fasst einen Plan: Sie will aus ihm ein Baby-Einhorn machen. Ob das gutgeht?

Meine Meinung
Ich bin ja kein besonders großer Fan von Einhörnern – ich kann diesen Hype einfach nicht so ganz verstehen.
Umso gespannter war ich natürlich auf die Geschichte rund um Emmi und ihr Einschwein – was für eine lustige Idee, sogar oder gerade für diejenigen unter uns, die Einhörner eben nicht so interessant finden. Und ich denke, nach dieser Geschichte werden auch die Einhorn-Fans unter euch eher zum Team Einschwein gehören.

Die Geschichte hat mir richtig gut gefallen – vom Anfang bis zum Ende. Sie spielt an einem fiktiven Ort, der bis auf die Besonderheit mit den Fabelwesen allerdings eher an unsere realistische Welt erinnert: Es gibt normale Schulen, S-Bahnen, die Polizei, Kaufhäuser usw. Das einzig fiktive bzw. magische sind daher die Fabelwesen. Die Idee, dass Menschen und Fabelwesen in freundschaftlichen Verhältnissen beisammen leben, finde ich wirklich toll. Die Charaktere, die in dieser Geschichte wichtig sind, sind relativ begrenzt: Zum einen natürlich Emmis Familie und deren Fabelwesen, zum anderen ihre Klassenkameraden mit Fabelwesen – und hier nur eine eingegrenzte Gruppe. Während Emmis Familie sehr sympathisch ist und bis auf die Tatsache, dass sie durch vier Fabelwesen ergänzt wird, relativ normal wirkt, gibt es auch einige Personen, die leider sehr unsympathisch sind.

Ein wichtiges Thema, das sich durch dieses Buch zieht, ist Mobbing. Mobbing tritt leider auch häufig schon in Grundschulen auf, die auch Emmi in dieser Geschichte besucht. Sie wird von ihren Klassenkameraden gemobbt – warum, wird nicht so wirklich thematisiert. Ihre Eltern scheinen an einer Stelle sogar ihr selbst die Schuld zu geben, indem sie sagen, sie solle doch noch etwas netter sein – eine Textstelle, die definitiv mit den Kindern thematisiert werden sollte! Das Mobbing wird teilweise durch konkrete Situationen aufgezeigt, teilweise durch Erzählungen von Emmi veranschaulicht. Auf jeden Fall bieten die Einsichten in ihre Gefühle und die Schilderungen zu diesem Thema viele Identifikationsmöglichkeiten sowie Anstöße zur Perspektivübernahme und Empathieentwicklung. Negativ zu bewerten ist hier nur die Reaktion der Erwachsenen – insbesondere der Lehrer – die Bescheid wissen, aber scheinbar nie präsent sind und eingreifen.

Nun aber zu den Fabelwesen, die wirklich sehr fantasievoll sind. Es gibt Tiere mit bestimmten Fähigkeiten und typische Fabelwesen wie Drachen, Meerjungfrauen und Einhörner – die aber auch wieder Facetten haben, die mir noch nicht bekannt waren. Die Fabelwesen sind allesamt sehr anschaulich beschrieben. Am Besten gefallen hat mir natürlich Einschwein mit seiner lustigen, vornehm-unvornehmen Art. Es ist nie auf den Mund gefallen, versteht Sachen gerne mal falsch, ist verfressen und schafft es immer, Emmi aufzuheitern. Durch die Illustrationen fand ich es gleich nochmal niedlicher! Mich hat das Einschwein ein bisschen an Paul Maars Sams erinnert, wodurch es mir natürlich direkt ans Herz gewachsen ist (ich liebe das Sams!).

Das Buch ist aber nicht nur lustig und fantasievoll, sondern auch sehr spannend. Denn mindestens ein Bösewicht schleicht durch die Geschichte und hat etwas sehr Gemeines vor – dem aufmerksamen Leser wird natürlich schnell klar, was genau. Aber es bleibt dennoch spannend bis zum Schluss!

Das Buch hat insgesamt 55 Abbildungen in schwarz-weiß, die relativ einfach und abstrakt gehalten, aber dennoch ansprechend und süß sind – sehr motivierend auf jeden Fall. Zum Selberlesen ist das Buch ab etwa 8 Jahren geeignet, da Schriftgröße und Zeilenabstände nicht mehr ganz so groß sind.

Durch und durch ein sehr gelungenes Buch, das vorwiegend an Grundschulkinder adressiert ist, aber auch mich als Erwachsene noch gut unterhalten konnte. Die Geschichte ist lustig, spannend, teilweise ernst, mit viel Fantasie geschrieben und macht einfach Spaß! Auch wenn das Buch durch das Cover eher nach einem Buch für Mädchen wirkt, könnte es auch für Jungen interessant sein. Von mir bekommt das Buch 5 Sterne und ein sehr zu empfehlen.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar von der Autorin Anna Böhm zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ihr erhaltet es u.a. hier.

Besondere Einsatzmöglichkeiten
Die Geschichte ist sehr gut geeignet, um in der Klasse ganz oder nur in einzelnen Abschnitten gelesen zu werden. Zwar ist die Protagonistin ein Mädchen, aber bis auf ihren anfänglichen Wunsch nach einem Einhorn ist sie relativ genderneutral dargestellt und bietet somit sowohl für Mädchen als auch für Jungen Identifikationsmöglichkeiten.
Das Buch bietet viele Schreibanlässe. So können die Kinder die Beschreibungen von Fabelwesen als Vorlage nehmen, um ihr eigenes Fabelwesen zu erfinden und zu beschreiben. Außerdem können sie Tagebucheinträge von Emmi schreiben, in der sie über ihre Erlebnisse, Gefühle usw. spricht.
Da das Thema Mobbing in diesem Buch eine große Rolle spielt, könnte ich mir auch gut vorstellen, dass in dem Zusammenhang eine Einheit hierzu durchgeführt wird. Anhand der Geschichte können die Schüler bereits erste Eindrücke darüber sammeln, wie Mobbing funktioniert und wie es sich auf die Opfer auswirken kann. Außerdem finde ich die Idee, Mobbing mit etwas Essbarem zu vergleichen (siehe Zitat) sehr gelungen. Vielleicht können ausgehend hiervon weitere Vergleiche mit Dingen, Situationen o.ä. von den Schülern vorgenommen werden – ohne allerdings den Ernst des Themas herunterzuspielen!

Buchdetails
Autorin: Anna Böhm – Illustratorin: Susanne Göhlich – Herausgeber: Oetinger Verlag – Erscheinungsjahr: 2018 – Buchlänge: 208 Seiten – Altersempfehlung: ab 6 Jahren – Preis: 13 € – ISBN: 978-3-7891-0889-1

Bildquelle: Oetinger Verlag

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